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lung von kaum jemandem mehr vermisst werden wird. Er fordert auf, an-
gesichts dieser Frage erst einmal innezuhalten, sie wirklich an sich heran-
zulassen, um die eigenen Anteile an dieser Entwicklung wahrzunehmen,
„zur Kenntnis [zu] nehmen, dass ein weiteres Kapitel der Geschichte des
Christentums zu Ende geht, und es daher notwendig ist, sich auf das
nächste vorzubereiten“:
Vielleicht zeigt diese Zeit der leeren Kirchen den Kirchen symbolisch
ihre verborgene Leere und eine mögliche Zukunft auf, die eintreten
könnte, wenn die Kirchen nicht ernsthaft versuchen, der Welt eine
ganz andere Gestalt des Christentums zu präsentieren.13
Insgesamt wird hier die Vorstellung von einer Kirche umrissen, die ange-
sichts der komplexen Lebenswirklichkeiten mit allen, die sich in einer
Grundhaltung liebender Solidarität verbunden wissen, auf der Suche
bleibt nach Gott als innerstem, abgrĂĽndigen Geheimnis des Daseins.
Zeichnen sich in der jetzigen Lage vielleicht auch Konturen dieser „ganz
andere[n] Gestalt des Christentums“14, von der HalĂk spricht, im Bereich
rituell-gottesdienstlicher Praxis ab?
Gottesdienst in der Pandemie als analog und virtuell geknüpftes Netzwerk –
Chancen und Grenzen
Noch einmal: Die Kirchen wie alle Religionen befinden sich aktuell noch
in vielfältigen Suchbewegungen im Blick auf Umformatierungen ihres ri-
tuell-gottesdienstlichen Lebens. Differenzierte Analysen beginnen gerade
erst. Mindestens drei Themenkomplexe rĂĽcken dabei schon jetzt ins Zen-
trum der Aufmerksamkeit, wobei diese Komplexe zu unterscheiden nicht
bedeutet, dass sie faktisch völlig zu trennen wären:
Erstens sind – zunächst durchaus unter Berücksichtigung jeweiliger Tra-
ditionen, institutioneller Vorgaben, Theologien der Religionen usw. – das
Verhältnis verschiedener rituell geprägter Vergemeinschaftungsformen so-
wie deren Wechselwirkungen mit individuellen spirituellen Praxen stark
in Bewegung gekommen und insofern neu zu reflektieren und gegebenen-
falls nachzujustieren. Das gilt selbstverständlich auch für das Christentum
in seinen unterschiedlichen Ausprägungen. Ein Teilbereich dieses The-
menclusters wird markiert durch Fragen danach, wer in welchen rituellen
2.
13 Halik, Christentum.
14 Halik, Christentum. Gottesdienst und rituelles Handeln in der Pandemie-Krise
373
https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08
Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Die Corona-Pandemie
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Title
- Die Corona-Pandemie
- Subtitle
- Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Authors
- Wolfgang Kröll
- Johann Platzer
- Hans-Walter Ruckenbauer
- Editor
- Walter Schaupp
- Publisher
- Nomos Verlagsgesellschaft
- Location
- Baden-Baden
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7489-1058-9
- Size
- 15.3 x 22.7 cm
- Pages
- 448
- Keywords
- Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, MenschenwĂĽrde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
- Categories
- Coronavirus
- Medizin
- Recht und Politik