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Kröll: Du trägst täglich für knapp 3.000 Mitarbeiter aus allen Pflegeberei-
chen die Verantwortung. Einige davon werden um diese Zeit wohl auf
Urlaub gewesen sein, möglicherweise auch im ferneren Ausland. Stand
dir trotzdem ausreichend Personal zur Verfügung, um einen zu erwar-
tenden Massenansturm an infizierten Personen betreuen zu können?
Wie viele Pflegende hast du für die Betreuung von mit Covid-19 infi-
zierten Menschen abstellen können bzw. müssen?
Tax: Obwohl für unsere Mitarbeiter aus der Pflege die Monate Februar
und März beliebte Urlaubsmonate sind, war es nicht notwendig,
Mitarbeiter aus dem Urlaub zurückzuholen. Da wir ab Mitte
März mit unseren Leistungen heruntergefahren sind, war der zur
Verfügung stehende Pool an Mitarbeitern aus der Pflege zu jedem
Zeitpunkt der Krisensituation ausreichend groß, um die Situation
zu bewältigen und die uns anvertrauten Patienten betreuen und
versorgen zu können. Sehr wohl aber war eine Adaption der
Dienstpläne erforderlich. Diese notwendigen Änderungen wur-
den mit großer Bereitschaft und Akzeptanz mitgetragen.
Kröll: Hast du Umverteilungen deiner Mitarbeiter vornehmen müssen, um
ausreichend Pflegekräfte für die Betreuung infizierter Menschen zur
Verfügung stellen zu können? Falls ja, wie wurde das von deinen Mit-
arbeitern angenommen? War die Bereitschaft groß, sich in dieses unbe-
kannte, gefährliche Milieu einzulassen?
Tax: Ja, es mussten laufend Umverteilungen vorgenommen werden,
um Ausfälle z. B. wegen Absonderungsbescheiden und Quarantä-
neverpflichtungen kompensieren zu können. Es war auch not-
wendig, in den stark betroffenen Bereichen Personalverstärkun-
gen vorzunehmen. Bedingt durch die notwendigen Schutzmaß-
nahmen und den hohen Pflegeaufwand der sehr kranken Patien-
ten, mussten die Teams mit Personal aufgestockt werden. Gerade
in den ersten Wochen mussten hier fast täglich Anpassungen vor-
genommen werden. Die verantwortlichen Führungskräfte waren
mit der Dienst- und Dienstplangestaltung sehr gefordert. Viele
Kolleginnen und Kollegen mussten anderen Bereichen zugeteilt
werden. Es war für mich beeindruckend, dass hier viel Verständ-
nis und eine hohe Flexibilität bei den Kolleginnen und Kollegen
vorhanden waren. Bei allen notwendigen Maßnahmen bestanden
eine große Bereitschaft und ein unglaubliches Engagement sei-
tens der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Natürlich gab es auch
Ängste und Bedenken, war doch die gesamte Thematik für uns al-
le neu und völlig unbekannt. Die Führungskräfte haben hier
Christa Tax, Gebhard Falzberger, Wolfgang Köle – befragt von Wolfgang Kröll
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https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08
Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Die Corona-Pandemie
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Title
- Die Corona-Pandemie
- Subtitle
- Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Authors
- Wolfgang Kröll
- Johann Platzer
- Hans-Walter Ruckenbauer
- Editor
- Walter Schaupp
- Publisher
- Nomos Verlagsgesellschaft
- Location
- Baden-Baden
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7489-1058-9
- Size
- 15.3 x 22.7 cm
- Pages
- 448
- Keywords
- Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, Menschenwürde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
- Categories
- Coronavirus
- Medizin
- Recht und Politik