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Das Schwarze Wien - Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
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54 | Wien im Ständestaat 2 1 2 Pläne zur Verkehrsstadt 2.1.2.1 Diskurse für einen städtebaulichen Gesamtplan Wiens Die Stadtplanung in Österreich, insbesondere in Wien, war weit hinter der europäischen Entwicklung zurück. Wissenschaftliche Mittel aus Statistik und Volkswirtschaftslehre, Soziologie, Rechtswissenschaft und Verkehrstechnik kamen kaum zur Anwendung. Dies zeigte sich auch in der geringen Bedeutung des Städtebaus innerhalb der universitären Ausbildung. Erst 1932 konnte an der Technischen Hochschule Wien durch Erwin Ilz49 ein Extraordinat für Wohnungsbau, Städtebau und Siedlungswesen eingerichtet werden.50 Internationale städtebauliche Konzepte fielen gerade in diesem wissenschaftlichen Umfeld auf fruchtbaren Boden. Die drei folgend vorgestellten Städtebaukonzepte von Erwin Ilz, Egon Riss51 und Oskar Sitte zeigen die weitgehende Adaptierung des interna- tionalen Diskurses für den Wiener Städtebau. Trotzdem konnte sich keines davon als Gesamtkonzept durchsetzen. Wie in den folgenden Kapiteln zum Geschosswohnungs-, Siedlungs- und Monumen- talbau des autoritären Ständestaates noch dargestellt wird, wurden internationale Beispiele nur innerhalb kleinräumiger Gebietsplanungen angewendet. Sie stellten direkte Anlass- entscheidungen dar, für die sich Bürgermeister Schmitz das Recht der endgültigen Entscheidung vorbehielt. Erst durch seine Entschließung war die Rechtswirksamkeit der Neuplanungen gegeben.52 Das Wiener Stadtbauamt bediente sich im schwarzen Wien, der Tradition des Roten Wien folgend,53 städtebaulicher Wettbewerbe54 unter der Architektenschaft zur Requirierung von Planungsentwürfen.55 Die Wettbewerbe wurden nicht, wie öfters in der Forschung 49 Der österreichische Architekt Ilz war nach eigenen Angaben seit Mai 1932 Mitglied der Nationalsozialistischen Deut- schen Arbeiterpartei, vgl.: Mattl, Pirhofer; Wien, in: Holzschuh, Platzer (Hg.): Perle, Ausstellungskatalog Architekturzen- trum Wien, 2015, S. 14. Er arbeitete vor allem auf dem Gebiet des Städtebaus und lehrte ab 1932 an der Technischen Hochschule Wien. Ab 1934 engagierte er sich verstärkt im Wiener Künstlerhaus. 50 Braumann, Stadtplanung, 1986, S. 12. 51 Der österreichische Architekt Egon Riss führte bis 1934 eine Bürogemeinschaft mit Fritz Judtmann. Nach deren Auf- lösung errichtete er in der XIX., Heiligenstädter Straße von 1935/36 ein innovatives privates Wohnhaus mit City-Kino, vgl.: Prokop, Zum jüdischen Erbe, 2016, S. 186 52 Magistratsabteilung 18, Stadtplanung in Wien, in: Wiener Stadtbauamt (Hg.), Tätigkeit des Wiener Stadtbauamts, Bd. 1, 1974, S. II/14–II/20. 53 Beispielsweise beim Wettbewerb der Zentralvereinigung der Architekten Österreichs zur Verbauung des beim am 15. Juli 1927 abgebrannten Justizpalast gelegenen I., Schmerlingplatzes, vgl.: Meder, Eiblmayr, Hochhaus, 2009, S. 44. 54 Wie beim I., Schmerlingplatz wurde vor allem die harmonische Eingliederung der dreieckigen Ringstraßenecken ange- strebt. Im Ständestaat fand deswegen 1936 eine Wettbewerbsausschreibung zur städtebaulichen Eingliederung des I., Votivparks mittels eines Kaiser-Franz-Joseph-Denkmals durch die Österreichische Radio-Verkehrs AG statt. Weitere Wettbewerbe fanden im Roten Wien und im Ständestaat für die Ausgestaltung des I., Karlsplatzes statt, vgl.: Kassal- Mikula, Purtscher, Haiko, Tabor, Das ungebaute Wien, 1999, S. 330–332, 344. 55 Magistratsabteilung 18, Stadtplanung in Wien, in: Wiener Stadtbauamt (Hg.), Tätigkeit des Wiener Stadtbauamts, Bd. 1, 1974, S. II/21. Open Access © 2017 by Böhlau Verlag Ges.m.b.H. & Co. KG, Wien Köln Weimar
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Das Schwarze Wien Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
Title
Das Schwarze Wien
Subtitle
Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
Author
Andreas Suttner
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien - Köln - Weimar
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20292-9
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
296
Categories
Geschichte Nach 1918
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