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Der Städtebau im schwarzen Wien | 71
angedacht. Im Herbst 1934 wurde dafür der Entwurf für die Rotundenbrücke aus Kosten-
und Zeitgründen adaptiert. Die Gesamtkosten betrugen öS 2,4 Mio.170 Die öS 31 Mio. für
den Bau der Wiener Reichsbrücke wurden hingegen vollständig aus Bundesmitteln
bezahlt.171
Daneben wurden im Zuge des Baus der Höhenstraße 28 weitere Brücken von der Stadt
Wien errichtet. Darunter die Sieveringer Brücke 1935/36, die Kohlenbrennerbrücke 1936
und eine Fußgängerbrücke über die Höhenstraße am Kahlenberg 1936/37.172
Neben den Neubauten wurde ebenfalls die Instandsetzung bereits bestehender Brücken
begonnen. Ab 1934 wurden die Stubenbrücke, die von der Landstraßer Hauptstraße über
den Wienfluss führt, die Marienbrücke mit anschließender Stadtbahndecke, die
Schmelzbrücke über der Westbahn und die Franzensbrücke unter einem Gesamtaufwand
von öS 1.357.000 renoviert.173
2.1.2.4 Arbeitsbeschaffungsprogramme für die Bauwirtschaft
Die Zunahme der Arbeitslosigkeit im Österreich der 1930er Jahre griff durch die Wirt-
schaftskrise rasant um sich.174 Vor allem Jugendliche waren betroffen. Die ständestaatli-
che Politik versuchte die Entwicklung einerseits durch den Abbau von Frauenarbeits-
plätzen im Bundesdienst bei gleichzeitiger Aufnahme von Männern bei Polizei und
Militär zu mindern. Die Arbeitslosenunterstützung wurde ab 1934 zusätzlich vehement
eingedämmt, so dass nur jeder zweite Erwerbslose diese erhielt, der Rest galt als ausge-
steuert.175
Die Ankurbelung der Bauindustrie wurde konform des US-amerikanischen New Deal176
zum Bewältigen und Gegensteuern der anhaltenden wirtschaftlichen Rezension des Bör-
sencrashs von 1929 vollzogen. Mittels öffentlicher Gelder sollte die Beschäftigung des
Arbeitslosenheeres und die Ankurbelung der Wirtschaft am Ende der Ersten Republik
170 Ebd., S. 23 f.
171 Rigele, Wiener Höhenstraße, 1993, S. 102.
172 Magistratsabteilung 29, Brückenbau und Wasserbau, in: Wiener Stadtbauamt (Hg.), Tätigkeit des Wiener Stadtbau-
amts, Bd. 2, 1974, S. XII/6.
173 Magistrat der Stadt Wien (Hg.), Brückenbautätigkeit, 1937, S. 45.
174 Talos, Manoscheck, Konstituierungsprozeß, in: Talos, Neugebauer (Hg.), Austrofaschismus, 2005, S. 11 f.
175 Talos, Sozialpolitik, in: Talos, Neugebauer (Hg.), Austrofaschismus, 2005, S. 231 f.
176 Der New Deal des 1933 gewählten US-Präsidenten Franklin Delano Roosevelt stellte ein neuartiges System der Wirt-
schaftspolitik für die USA und den Weg in den Wohlfahrtsstaat westlicher Prägung dar. Dabei wurde staatlicher Inter-
ventionismus mit individueller Initiative verwoben. Roosevelt folgte dabei den staatlichen Gegensteuerungsversuchen
seines Vorgängers Hoover gegen die Weltwirtschaftskrise von 1929, vgl.: Robert S. McElvaine, The great depression,
America, 1929–1941, New York, 1993, S. 162–168. Für die Behebung der allgemein hohen Arbeitslosigkeit und der
Wiederherstellung der Wirtschaft kamen Arbeitsbeschaffungsprogramme zum Zuge. Durch die Übernahme dieser Stra-
tegie in europäischen Staaten strahlte der New Deal weit über die Grenzen der Vereinigten Staaten aus.
Das Schwarze Wien
Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
- Title
- Das Schwarze Wien
- Subtitle
- Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
- Author
- Andreas Suttner
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien - Köln - Weimar
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20292-9
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 296
- Categories
- Geschichte Nach 1918