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Das Schwarze Wien - Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
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76 | Wien im Ständestaat Die Assanierungsbauten sollten in Baulücken unter der Ausnutzung bereits bestehen- der Infrastruktur ausgeführt werden, um hohe Anbindungskosten zu sparen.206 Dieser scheinbar ökonomische Hintergrund diente der Rechtfertigung der neuen Baupolitik und wurde propagandistisch ausgeschlachtet. Trotzdem muss der Grund für die Neuorientie- rung eher in der Ankurbelung der privaten Bautätigkeit durch die spekulative Hebung der Gebäudehöhe zur besseren Verwertung durch die EigentümerInnen mittels der Steigerung der Mietparteien gesucht werden.207 Der gleichzeitige Abbau des Mieterschutzes sollte den profitorientierten Baugesellschaften die schnelle Wiederaufnahme der privaten Bautätig- keit ermöglichen. Laut Schmitz sollten durch Mieterhöhungen208 weitere Anreize und Gewinnmöglichkeiten geschaffen werden.209 Nicht umsonst stand das 1932 in der I., Herrengasse 6–8 verwirklichte 15-stöckige Wohnhochhaus von Siegfried Theiss und Hans Jaksch Pate für die Baustrategie des ständestaatlichen Wiens. Mittels einer mehr als groß- zügigen Förderung durch die christlichsoziale Bundesregierung im Rahmen des Bundes- gesetzes zur Förderung der Wohnbautätigkeit konnte das gegen die kommunale Baupolitik gerichtete Prestigeprojekt innerhalb kürzester Zeit verwirklicht werden.210 Die Strategie des Assanierungsfonds wurde damit durch das Beispiel der Wohnbauförderung der kon- servativ durchsetzten Bundesregierung von 1929 bis 1932 vorweggenommen.211 Der Assanierungsfonds wurde von einem Kuratorium, bestehend aus Bürgermeister Schmitz und einem von ihm bestimmten Stellvertreter nebst vier ernannten Mitgliedern, verwaltet,212 unter denen sich mit Anton Schwarz, Robert Pokorny, Franz Schadek Refe- renten der Zentralsparkasse213 und mit Franz Musil, Adalbert Furch Referenten des Stadt- 206 Gleichzeitig wurde der ehemaligen Gemeindeverwaltung des Roten Wien der finanziell hohe Aufwand für Anbindungs- kosten vorgeworfen, vgl.: Magistrat der Stadt Wien (Hg.), Wien im Aufbau – Der Wiener Assanierungsfonds, Wien, 1937, S. 5–7. Diese hatte aber auf eine Errichtung ihrer Gemeindebauten auf leeren Baugrundstücken gesetzt, um den Alt- hausbestand nicht zu verringern und so der nach dem Ersten Weltkrieg herrschenden Wohnungsknappheit zu begeg- nen. Während der kommunalen Bauphase des Roten Wien wurden nur wenige Althäuser niedergelegt, vgl.: Rosenblum, Gemeinde Wien, 1935, S. 143. 207 Magistrat der Stadt Wien (Hg.), Wiener Assanierungsfonds, 1937, S. 5–7. 208 1934, 1936 und 1937 kam es zwar zu Novellen des Mieterschutzgesetzes, die Eingriffe des Ständestaates blieben jedoch gering. Steigende Mieten wurden laut Matis und Stiefel spätestens seit dem Zeitpunkt gefürchtet, als man sich bewusst wurde, dass damit auch steigende Löhne in Kauf genommen werden müssen, vgl.: Matis, Stiefel, Baugesell- schaft – A. Porr, Bd. 1, 1994, S. 224. 209 Magistrat der Stadt Wien (Hg.), Der Wiener Assanierungsfonds und der Wiener Hausreparaturfonds – Ein Überblick über die Förderung privater Bauvorhaben durch die Stadt Wien unter dem Bürgermeister Richard Schmitz in den Jahren 1934/35, Wien, 1935, S. 26. 210 Georg Schwalm-Theiss, Abhängigkeit und Verführbarkeit – Die Architekten Theiss und Jaksch 1907–1961, in: Tabor (Hg.), Kunst und Diktatur, Bd. 1, 1994, S. 321 f. 211 Albert Gessmann, Otto Kämpfer, Neues Bauen: Neue Arbeit! – Bauwirtschaftliche Maßnahmen zur Behebung der Ar- beitslosigkeit in Österreich, Wien, 1932, S. 6 f. 212 Magistrat der Stadt Wien (Hg.), Wiener Assanierungsfonds, 1937, S. 7. 213 Der Zentralsparkasse wurde die Verwaltung des Fonds zugeteilt, vgl.: Vallazza, Wir bauen auf, 1986, Dissertation, S. 188. Diese enge Zusammenarbeit zwischen Stadtregierung und Zentralsparkasse war nur durch Richard Schmitz möglich. Er hatte, kurz nach der Ausschaltung der ArbeiterInnenbewegung, in seiner Funktion als Bürgermeister die so- Open Access © 2017 by Böhlau Verlag Ges.m.b.H. & Co. KG, Wien Köln Weimar
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Das Schwarze Wien Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
Title
Das Schwarze Wien
Subtitle
Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
Author
Andreas Suttner
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien - Köln - Weimar
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20292-9
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
296
Categories
Geschichte Nach 1918
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