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Das Schwarze Wien - Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
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Page - 91 - in Das Schwarze Wien - Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938

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Geschosswohnungsbau im Ständestaat | 91 meldeten sich noch im Dezember 1937 beim Blauen Adler mit der Idee, Wohnhäuser mit Eigentumswohnungen und Stockwerkseigentum zu errichten.300 2 2 2 Wohnungsbau durch die Gemeinde 2.2.2.1 Familienasyle Wie beim Assanierungsfonds bereits angesprochen, konnte sich die Gemeinde Wien als Bauträger und -ausführer nicht gänzlich zurückziehen um das Feld der Privatwirtschaft zu überlassen. Gerade die eingespielte Infrastruktur innerhalb des Stadtbauamtes und die bereits durch den Wohnbau im Roten Wien erprobte Beamtenschaft stellten eine Konstante bei der Ausführung von Wohnbauten dar, auf die der autoritäre Ständestaat zurückgreifen musste. Ideologisch pendelte die Gemeindeverwaltung unter Bürgermeister Schmitz zwischen christlicher Fürsorgepolitik und Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Im Sofortpro- gramm von 1934 wurde deswegen rund ein Sechstel der finanziellen Mittel für den Bau von Familienasylen301 veranschlagt. Diese wurden neben den später vorgestellten Sied- lungsprojekten und Notstandsgärten302 zur Verminderung der Arbeitslosenzahlen und zur Bekämpfung der steigenden Obdachlosigkeit gebaut. Das christlichsoziale System der Fürsorge wurde im Dollfuß-/Schuschnigg-Regime forciert zur Disziplinierung303 von Arbeitslosen ausgebaut. Mit dem gleichzeitigen Stopp des Wohnbauprogramms, steigen- den Mieten und zunehmender Armut304 sollte mittels Familienasylen, Herbergen und Kleinwohnungsbauten die ideologische Familienpolitik getragen werden. Ab 1935305 kam 300 Taetigkeitsbericht des Blauen Adler Verband zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit vom November 1936 bis Dezember 1937, S. 5–7, in: AdR Sonderarchiv Moskau, Schachtel: 559/1/2. 301 Im öffentlichen Diskurs wurde die Bezeichnung Familienasyl der bisherigen Titulierung Notstandswohnung vorgezo- gen, vgl.: Das Wohnungswesen der Stadt Wien im Haushaltsplane für das Jahr 1935, in: Die Wohnung, 6. Jg., Nr. 1, Jänner 1935, S. 2. Die NS-Verwaltung übernahm das ständestaatliche Modell der Familienasyle trotz ideologischer Ablehnung, welches dadurch einen Vorläufer für den Volkswohnungsbau im Nationalsozialismus darstellt, vgl.: Helmut Weihsmann, Bauen unterm Hakenkreuz – Architektur des Untergangs, Wien, 1998, S. 1042. 302 Handverlesenen Arbeitslosen wurde ab 1934 eine Anbaufläche von rund 220 m² zur Verfügung gestellt. Diese 2.986 Parzellen waren Grundflächen der Stadt Wien, die für eine spätere Verbauung gedacht waren und damit einer Zwischennutzung zugeführt wurden, vgl.: Magistrat der Stadt Wien (Hg.), Wohnungs- und Siedlungswesen, 1937, S. 15. 1935 wurden weitere Grundstücke in den Bezirken II., X., XIII., XV., XVI., XX. und XXI. für die Notstandsgartenaktion bereit- gestellt. Insgesamt standen im selben Jahr rund 600.000 m² Fläche zur Verfügung, vgl.: Eduard Brabenec, Notstands- gartenaktion der Stadt Wien, in: Die Wohnung, 6. Jg., Nr. 2, Februar 1935, S. 2. 303 Weitere Disziplinierungsanstalten existierten für unverbesserliche Vagabunden und Obdachlose in der Bettlerbeschäf- tigungsanstalt im Dauerobdachlosenheim Wien und dem Arbeits- und Haftlager im oberösterreichischen Schlögen. Jugendliche wurden der Bundesanstalt für Erziehungsbedürftige Kaiser Ebersdorf in Wien XI zugeführt, vgl.: Melinz, Fürsorgepolitik(en), in: Talos, Neugebauer (Hg.), Austrofaschismus, 2005, S. 244 f., 250. 304 Melinz, Unger (Hg.), Wohlfahrt und Krise, 1996, S. 76–78. 305 Beschlussfassung in den Sitzungen der Wiener Bürgerschaft 5. Juli 1935, 8. November 1935 und 20. März 1936, in: Magistrat der Stadt Wien (Hg.), Drei Jahre neues Wien, 1937, S. 26.
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Das Schwarze Wien Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
Title
Das Schwarze Wien
Subtitle
Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
Author
Andreas Suttner
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien - Köln - Weimar
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20292-9
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
296
Categories
Geschichte Nach 1918
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