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Geschosswohnungsbau im Ständestaat | 95
Bauausführung gefordert, die im Gesetz festgeschrieben werden sollte.325 Trotzdem wurde
schon kurz nach Erlass des neuen Bundesgesetzes ein Ansteigen der Baumaterialienpreise
festgestellt, dem mittels eines im April 1937 von Rechtsanwalt Ruzicka geforderten Nach-
tragsgesetzes begegnet werden sollte.326
Unter der Oberhoheit des Bundesministers für soziale Verwaltung Josef Resch327 wurde
ein zehnköpfiger Beirat zur Abgabe von Gutachten über die Ansuchen für die Ausfall-
bürgschaft gegründet. Dieser bestand aus je zwei Vertretern des Finanzbundes, des Gewer-
bebundes, des Industriellenbundes, der Ingenieurkammern und des Gewerkschaftsbundes, die
durch einen Dreiervorschlag bestellt wurden. Dem Bundesministerium für soziale Verwaltung
oblag gleichzeitig die Baukontrolle.328
Die erste Sitzung des Beirates fand am 19. Juni 1937 im Sitzungssaal des Bundesminis-
teriums statt. Dazu wurden der Architekt Siegfried Theiss, der Baumeister Anton Bauer,
Bundeswirtschaftsrat Franz Pongratz, Wilhelm Salzer, der Sekretär der Gewerkschaft,
Robert Pokorny, der Direktor der Zentralsparkasse329, Oskar Zaglits, der Direktor der
Landeshypothekenanstalt, Josef Gerhold, Martin Kallir, Heinrich Goldemund330 und der
Direktor der Firma S. Kössler, Hans Bayer, als Fachreferenten eingeladen.331
Die bundesweiten Bewerbungen liefen aufgrund zu hoher Eigenmittel anfangs eher
schleppend an. Die Bauwirtschaft forderte deswegen statt der 40 % Eigenmittel eine
Rücknahme auf 20 %.332 Der Bund reagierte im Februar 1938 mit einem parallel zum
Kleinwohnungshausförderungsgesetz verabschiedeten Bundesgesetz über die Förderung der
325 Dokument: Haus der Bundesgesetzgebung – Staatsrat: Pflichtgutachten 1937, in: ÖStA AdR BMfsV 1, 7. BWSA 1918–
1942, Schachtel: 3402, Mappe: Allgemein.
326 Dokument: Entwurf eines Nachtragsgesetzes zum Bundesgesetz betreffend die Förderung der Errichtung von Klein-
wohnungshäusern. (Kl.W.f.G.), in: AdR BMfsV 1, 7. BWSA, Schachtel: 3402, Mappe: Allgemein.
327 Resch, bis 1938 Direktor der Arbeiterversicherungsanstalt, war Bundesminister für soziale Verwaltung vom 20. Mai
1932–21. September 1933 (Dollfuß I) und vom 14. Mai 1936–11. März 1938 (Schuschnigg II, III, IV). Unter ihm diente
auch der, durch die Ablösung von Richard Schmitz als Wiener Bürgermeister, kurzzeitig als Bundesminister für soziale
Verwaltung eingesetzte Odo Neustätter-Stürmer (16. Februar 1934–17. Oktober 1935 Dollfuß II, Schuschnigg I) als
Staatssekretär für die Angelegenheiten der Arbeitsbeschaffung und des Fremdenverkehrs sowie technischen Angele-
genheiten des Straßenbaus. Hans Rott war von 3. November 1936–11. März 1938 (Schuschnigg III, IV) Staatssekretär
für die Angelegenheiten des gesetzlichen Schutzes der Arbeiter und Angestellten), bevor er ab dem 16. Februar 1938
(Schuschnigg IV) Bundesminister im Bundeskanzleramt wurde, vgl.: Österreichischer Amtskalender, 1952, S. 10 f.
328 Bundes-, Wohn- und Siedlungsamt, Referat W2, 1010 Wien, Hanuschgasse 3, in: Bundesgesetzblatt für den Bundes-
staat Österreich, 1937, Stück 23, Nr. 85, S. 326 f.
329 Wie schon vorher erwähnt, beeinflusste Richard Schmitz durch seine Doppelfunktion in der Kommission der Zentral-
sparkasse und im Kuratorium des Assanierungsfonds die Vergabe der Bauaufträge des Fonds nachhaltig. Diese Kons-
tellation funktionierte ebenfalls mit dem Kuratorium des KlWFG.
330 Heinrich Goldemund war Präsident des Österreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereins und ehemaliger christ-
lichsozialer Abgeordneter, vgl.: Posch, Lebensraum Wien, 1976, Dissertation, S. 64.
331 Akt: Beirat gemäß § 8, Abs. 3, KlWFG und § 6, 1. KlWFV. Einberufung der Mitglieder zur 1. Sitzung., in: AdR BMfsV 1,
7. BWSA, Schachtel: 3402, Mappe: Allgemein.
332 Zum Wohnbauförderungsgesetz – Mängel des Gesetzes, in: Österreichische Bauzeitung, 3. Jg., Wien, Februar 1938,
Nr. 6, S. 80.
Das Schwarze Wien
Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
- Title
- Das Schwarze Wien
- Subtitle
- Bautätigkeit im Ständestaat 1934–1938
- Author
- Andreas Suttner
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien - Köln - Weimar
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20292-9
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 296
- Categories
- Geschichte Nach 1918