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A echt, asmechtmisistvadriessn.)
Woswill i sogn: weaseytsös?
Bibax. Wos?mi? ihrnghoam-undoffentlichenRath,
IhrnStadt-Land-Hof-Mund-Haupt-undLeib-Artzt,
N'DoctorBibaxnimmerkenna?
Dössicht rechtgfarlichauß:
Riepl. Haha!n'DoctaWisch-Wosch:
Mier istdeaNombekont: -
WeawadennofftnI?
Bibax. IhrMajestat! imoan, söseyndanit rechtz'Hauß?
SandsdennnötunserOber-Haupt?
SandsdennnötunserHerr?
Riepl. Wos? ibinunsaHea.àparte. (deawoasguetwer ibi.)
Mey!hau!wiekunt iHeaGott sey:
UndhonokaminHimmölahagschnopizt?
Wie folltsdadenarey?
Bibax. SieseynhaltdannochunserKinig.68
Lavor]Waschschüsseloach]einerawallschoolsatoudaglost]schoneineWeilewieeinTotergehorchtWoas
deart] weiß dennoch gehn] etwa, gerade sprecha] klingen roat i ma] denk ich mir aha dopt] hineingetappt,
hineingestolpertgstueröbm]gestorbenwutzl-lindö]besondersweichehoniaduechtida]habeichauchdort
in der onascht] anders Mein Oachl] Ausruf der Verwunderung, Beteuerung koanö Noan] keine Narren auf
d'Eachtn ohi] auf die Erde hinab Hiebri] Herberge, Behausung ehnda] eher, früher dieschtn] dürsten Konl]
Kanne öpan göhn] denn etwa geit] gibt braus Bie] braunes Bier was] wäre es leit] liegt prachtn miet] sagen
soll hobts mas nöt varibl] nehmt es mir nicht übel kemma] gekommen aha g et] hineingeführt wunabolan]
seltsam, wunderlich froidlan Guetikomm] freudiges Willkommen A echt] er fürchtet offtn] dann, also aha
gschnopizt]hineingeschnuppert
Erstaunlich ist zumal Weisers Virtuosität, durch feinhörig nachgezeichnete regio- und
soziolektale Charakteristika69 die rhythmisierte und zuweilen reimgebundene Figuren-
rede mit witzigem Esprit aufzuladen. Riepels Flachgauer Basisdialekt steht neben dem
derbenStadtdialektdes lustigen
Tischrats`,deralssouveränerSpielleiterdieIntrigevor-
antreibt, die letztendlich zu einer (sehr labilen) Versöhnung zwischen den Eheleuten
führt. Noch schlagender wird die aus dem Varietätenkontrast resultierende Sprachko-
mik in Weisers und Eberlins Singspiel Die Geadelte Bauren / Oder die ihr selbst unbe-
kannte Alcinde (1750), wo sich der Bauer Steffel zum Gelehrten aufschwingen will und
imAuftragseinerFrauGredelvomblasiertenDorfphilosophenPompoliushintersLicht
geführtwird.EingewobenistdiesesimpleIntrige ineinedoppelteWieder ndungs-und
Wiedererkennungsgeschichte um Henrich und Alcinde, die mit einer Hochzeit und ei-
nem glücklichen Ende für alle Beteiligten schließt. Der besondere Reiz des Werkleins
liegt im dialogischen Miteinander der barbarolektalen Protzsprache des Pompolius, der
68 [Ignaz Anton Weiser:] Der Wachend-träumende König Riepel: Auf Gnädigistes Anbefehlen Ihro Hoch-
Fürstl. Gnaden, Des Hochwürdigist-Hochgebohrnen, des Heil. Röm. Reichs Fürsten und Herrn Herrn
ANDREÆ JACOBI, Ertz-Bischoffen zu Saltzburg, Legaten des H. Röm. Apostolischen Stuhls, Primaten
von Teutschland, Auß dem Hoch-Reichs-Gräflichen Hauß Von Dietrichstein etc.etc. Auf Dero Hof-Thea-
tro vorgestellet 1749 Poes. J.A. W. Mus. J.E. E. Saltzburg, Gedruckt bey Johann Joseph Mayrs, Hof- und
AcademischenBuchdruckers seel.Erbin, f. 8r 9v.
69 Zur dialektologischen Verortung und der soziolektalen Differenzierung siehe die Studie von Reiffenstein,
SprachvariationaufdemSalzburgerHoftheater,S.329 352.
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Eine andere Literaturgeschichte
- Title
- Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
- Subtitle
- Eine andere Literaturgeschichte
- Authors
- Christian Neuhuber
- Stefanie Edler
- Elisabeth Zehetner
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20630-9
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 652
- Keywords
- Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen