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308 LAND- UND STADTLEBEN
undweilsallaweil thutaklansGeldabgebn.
10
Weilsallaweil thutaklainsGeldlabgebn,
undsokannjaderHerrundderKnechtsogschickt leben.
11
Es isthaltaFreud,hannaGeldhabenaSchneid,
unddahabendMusikantenkainSchadennitdabey
12
Z'MariahilfbeymgrünThor,dageht's lästali zu,
undsandreyMusikanten,undFiakergnue.101
1,1 außi] hinaus 1,2 au ] hinauf 2,1 eini] hinein Graben] Prachtstraße im 1. Bezirk 3,2 a glei] auch gleich
Hiezing]Hietzing, früherDorfbeiWien,heute im13.WienerGemeindebezirk6,1 fürd'Linna]vordieLinie
(derLinienwallwareine leichteBefestigungzwischendenVorstädtenundVorortenWiens)8,1Schneid]Mut
12,1 lästali] lästerlich
Die anzügliche Anspielung der letzten Strophe deutet schon an, dass die kursierenden
Fassungen des Volksgesangs das Genre auch für Themen erweitern konnten, die über
das unmittelbar Berufliche hinausgingen. Den Fiaker als Strizzi` zeigt etwa Freunde,
habtanjetzoacht (vgl.Kap.7,S.510).
Der invielenLiedernüberzogenzurSchaugetrageneStandesstolz fordertenatürlich
auchGegendarstellungenundgezielteSchmähungenheraus.EinsolcherBerufsspottbe-
gegnet uns etwa in Neujahrs- und Faschingsliedern häu g, wo Klischeevorstellungen
oderzutypischenMerkmalenerhobeneZügeinteilsharmloseren,teilsspitzzüngigeren,
stets aber komisch-unterhaltsamen Strophen angeprangert und dem Verlachen preisge-
geben werden (vgl. Kap.6). Das folgende Spottlied ist auf ein Handwerk allein gemünzt
und nimmt die angebliche Faulheit, Sittenlosigkeit und Unfähigkeit der Zimmerleute
aufsKorn:
1
Wanichbetrachtdiezimmerleuth, sobin ichschonvohlgall,
ich ndjagarkeinvndterschidt, stingfaul seindsüberal,
sökemmändmirzwiedschnekhenfür,mit laudter langsamdaey,
eshelffenäenoftzamävier,dätsaeiner leichta laey,
2
oftaeinerRentmitnzalstabum,alswieäwildästier,
ermöstdenhalbentag langum, ineinerSaustahl thür,
Iwolt janachänunixsagn,wansnachäRechtdätwern,
aufd lötzt feiltsumeinBauernschuech,machst lachäoderRern,
3
zumössendaseindsöganzgwänd,da lauffensöganzbhend,
wanaeinerbeyderstumthier ständt,würdaeinernidergrent,
oftaeiner lostalswieäschwein,manwaeisnöthwasäein felt,
dasdenkhimir inmeinenSin,erhat sichübereilt,
101 Drey schöne neue Weltliche Lieder, Das Erste: Das Fiackerlied. Das Zweyte: Ein rechtes Theater ist die
Welt. Das Dritte. Gott grüß eng meine Herrn allsammt. Gedruckt in diesem Jahr [um 1792]. Erstmals
ediertbeiWolkan,WienerVolksliederaus fünf Jahrhunderten2,Nr.XI,S.27 29.
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Eine andere Literaturgeschichte
- Title
- Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
- Subtitle
- Eine andere Literaturgeschichte
- Authors
- Christian Neuhuber
- Stefanie Edler
- Elisabeth Zehetner
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20630-9
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 652
- Keywords
- Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen