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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
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OpenAccess © 2019byBÖHLAUVERLAGGMBH&CO.KG,WIENKÖLNWEIMAR 378 FREMDES UND EIGENES nicht mit der Standardsprache des Gastlands interferiert, sondern mit einer regiolek- talenVariante. IndenFokusrücktdamiteinweiteresMalderAspektderMündlichkeit: Dialekt und fremdländischer Akzent summieren sich in diesen mündlich markierten Textennichtnur;diespezi scheMischungweistauchdaraufhin,dassdasErlernender deutschen Sprache gerade in den Unterschichten – nicht nur im 17. und 18. Jahrhun- dert – häu g nicht schriftlich, sondern im Wesentlichen mündlich erfolgte, und damit auf einer mündlichen – dialektalen – Varietät des Deutschen im süddeutschen Raum basiert. Dabei können mit einer solchen Darstellung von Fremden in (dialektalen) Texten unterschiedliche Funktionen verbunden sein: die Nutzung komischer, ‚ entautomati- sierender` und aufmerksamkeitssteigernder Effekte, die mit der Sprachmischung ver- bunden sind, ebenso wie die Steigerung von Anschaulichkeit oder die Suggestion von Authentizität. Nicht zuletzt aber wird auf diese Weise dezidiert auch Fremdes und Ei- genes verhandelt, wobei die Figur des Anderen sowohl als negative als auch als positive Vergleichsfoliedienenkann. JeneKonstellation, indereinepositivgezeichnete ‚ fremde` Figur in kritischer Absicht dem Eigenen gegenübergestellt wird, lässt sich häu g mit dem Motiv des ‚ edlen Wilden` in Verbindung bringen, das im 18. Jahrhundert insbe- sondere im Kontext der Aufklärung breit rezipiert wurde und u.a. auch im Wiener Spaßtheater in verschiedenster Weise verarbeitet wurde.91 Auch Schikaneders Tyroler Wastel liegt etwa dieses Muster zugrunde. Doch öfter noch ist der ‚ Wilde` nicht edel, sondern in seiner exotischen, lächerlichen oder auch abstoßenden Andersartigkeit vor allem dazu geschaffen, sich der Vorzüge des Eigenen zu versichern. Dass dieses ästhe- tische Konzept zumal in politisch-propagandistischen Texten zur Anwendung kommt, kannnichtverwundern.92 RomanischeWanderhändlerundLohnarbeiter Zu den ältesten bilingualen Figuren in der bairisch-österreichischen Dialektliteratur zählen fahrende Krämer, die uns in ihren ‚ autochthonen` Pendants mit den charakte- ristischenKaufrufen,LockgesängenundStandesliedernbereitsanandererStellebegeg- net sind (vgl. Kap.4). Im Unterschied zu diesen reindialektalen Rollen aber wird hier der Exotismus zudem durch Phänomene der Sprachmischung, der Interferenz und des Codeswitchings verstärkt und zumeist für komische, aber auch latent bis dominant xe- nophobe Wirkeffekte genützt. Besonders im süddeutschen Raum waren Fahrende aus Italien kein ungewöhnlicher Anblick. Mit südländischen Viktualien oder Heilmitteln, 91 Vgl. Matthias Mansky: Nachwort. In: Gottlieb Stephanie der Jüngere. Die abgedankten Of ciers oder StandhaftigkeitundVerzweiflung.EinLustspielvonfünfAufzügen.Hg.vonMatthiasMansky.Hannover: Werhahn2015,S.131– 159.– MatthiasMansky:Der ‚ edleWilde`als lustigeFigur?Funktionalisierungund TransformationbeiFranzvonHeufeldundJosephFelixvonKurz-Bernardon.In:FranzM.Eybl(Hg.):Ne- benschauplätze.RänderundÜbergängeinGeschichteundKulturdesAufklärungsjahrhunderts.Bochum: Winkler2014. (Dasachtzehnte Jahrhundert inÖsterreich28)S.193– 207. 92 Ausführlichereszur Darstellung von Fremdenin literarischen Textenvgl. Elisabeth Zehetner: Dialektund die literarische Darstellung von Fremden vor 1800. Untersuchungen zum Verhältnis zwischen Eigenem undFremdem.Graz2016[Dipl.].
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Title
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Subtitle
Eine andere Literaturgeschichte
Authors
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2019
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
652
Keywords
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Categories
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800