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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte
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Page - 526 - in Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 - Eine andere Literaturgeschichte

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OpenAccess © 2019byBÖHLAUVERLAGGMBH&CO.KG,WIENKÖLNWEIMAR 526 KÖRPER UND SINNLICHKEIT 1 AlleLeutsehensnichtgern, daßdumeinSchäzerl sollstwär'n, sehnsie'sgernodernicht, vonmeinSchaz laß ichnicht, so lang icheinAterkanrühr'n, thu ichmeinSchazerle lieben. 2 Dienterl schwarzaugeteGret, hastmichzumLiebenbewegt, hastSchneeweißZähnimMaul, zumLiebenbistauchnicht faul, bist soschönkurzundsodick, undauchschönröthlicht imG'sicht. 3 EinThalerdenthät ichspentiren, wennichmeinschönSchazerlkönntgriechen; wolltgleicheinmehrerswagn, wollt' sgleichdenPfarrer sag'n, daserunsz'sammathätgeben, sokönntmandasLiebennichtwehren. 4 UnsernHerrnAmtmannseinBub, derschautunsbeymLiebenoftzu, wennersdenHerrnAmtmannt, sagt] daßichbeymDientel schlaf, dannhliftkeinBittenundkeinGnad,] undmußgleichwerdeneinSoldat. 5 KeinBauernknechtgieb ichnichtOh, mußalleweil scheyenHottoh müßeninWaldnaus fahr'n müssendieStöckrausgraben, keinBauernknechtmagichnicht seyn, mußalleweilHottohbraf schreyn.107 1,5 Aterkanrühr'n]Aderrührenkann, lebendigbin2,1 Dienterl]Mädchen3,2 griechen]kriegen(alsReim- wortauf ‚ spentiren` mussdieAussprache[krI: +] lauten)5,1giebichnichtOh]will ichmehrsein5,2Hottoh] KommandorufzumWeitergehenfürPferdeoderOchsen Auch wenn sich im Lied ein relativ selbstverständlicher Umgang mit vorehelicher Se- xualität ausdrückt, wird gleichzeitig auch eine drohende Sanktionierung angesprochen. Die im Lied genannte Strafe – nämlich als Soldat eingezogen zu werden – entspricht dabei durchaus den historischen Tatsachen, wurde doch die Praxis der Kriminalisie- rung unehelicher Sexualbeziehungen zumindest bis unter Maria Theresia fortgeführt; Männer, die wiederholt der Unzucht bezichtigt wurden, konnten bei Zahlungsunfähig- keitzwangsrekrutiertwerden.108WieFrauenbestraftwurden,klingtimBauerngespräch O Riepl da kemm mir recht z'sammen an, in dem zwei Burschen über die Vernaderung amDorf lamentieren,die ihnendas„ Gäßl-gehen“ verleidet: 7 VierMenscherdieseyndäschondrinnä/ diemüssen inSchörgen-Hausspinna, bis siedieStraf rechthabnabdient/ aft lassenserstwiderhaimgehn. 8 Ihr fünfediemüssennochkemmä/ wowärnsiedasGeldähernehmä/ wannsiedieStrafnichtkönnengebn/ wirdmanihndieGeigenanlegn. 107 FünfschöneneueWeltlicheLieder,DasErste.Cupidoichschwöredir,keineandrenehmetc.DasZweyte. Stax donnerte vom Predigtstuhle, es sey etc. Das Dritte. Ich bin kein Epicurer nicht, schein ich gleich etc. DasVierte.AlleLeutsehensnichtgern,daßduSchäzerletc.DasFünfte.RechtunglücklichistdasLieben, weil es soetc. [o.O.,o.J., ca.1770], f. 2v– 3r. 108 Vgl.Becker,LebenundLiebenineinemkaltenLand,S.254f.,derindemZusammenhangaufdreiPatente Kaiser Karls VI. aus den Jahren 1737– 1740 hinweist, die sich gegen das ‚ Laster der Unzucht` unter dem ledigenBauernvolkrichteten.
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800 Eine andere Literaturgeschichte
Title
Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Subtitle
Eine andere Literaturgeschichte
Authors
Christian Neuhuber
Stefanie Edler
Elisabeth Zehetner
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2019
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20630-9
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
652
Keywords
Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
Categories
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800