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KONFESSIONELLE AGITATIONSTEXTE 561
SeitenstarkistdiesesbemerkenswertesiebenteiligeZwiegespräch, indemderglaubens-
festeKatholikHiesldenkritisch-verständigenExulantenRiepel,derseineEntscheidung
bereits zu bereuen scheint, mit ungewöhnlicher Spitz ndigkeit, argumentativer Kraft
und Beredtheit wieder zur Rückkehr zum rechten Glauben ermutigen möchte. Die
Desavouierung ist in dieser im Umfeld der Dillinger Jesuiten-Universität entstandenen
Schrift subtiler als in vergleichbaren Texten, doch im Detail nicht weniger verleumde-
risch.ImmerhinaberwerdennunauchMissständeaufkatholischerSeiteangesprochen,
genusssüchtige und p ichtvergessene Pfarrer gescholten, Unterlassungen in der Seel-
sorge aufgezeigt. Zudem rücken Probleme ins Blickfeld, die durch die Massenvertrei-
bung in den Zielländern tatsächlich entstanden waren. Wurden die ersten Emigranten-
zügeder
Unangesessenen` umdieJahreswende1731/32zunächstnochbejubeltunddie
Glaubensgenossenfreudigaufgenommen,zeichnetensichbald logistischeProblemeab.
Die Aufnahmekapazitäten der freien Reichsstädte in Bayern und Schwaben waren bald
erschöpft,dieSpendenbliebenausunddieHilfsbereitschaftderBevölkerungnahman-
gesichts des unerwartet großen Andrangs von Flüchtlingen, die Arbeit und Unterkunft
suchten, raschab:24
Riepel. GOttLob!das idinoontriffundObschidnehmakon.
Hiesl. Eyiwolt /dasderHimmelvollerGeigenhieng/undlauterBratwürst regnenthötte.
Riepel. WorumbbistsoungedultimeiHiesl?Worumbmochstso nstersGfriß?hostkeineguete
Nochtghobt?werhotdiretwas leydsgethon?oderwos istdir sonstüberd'Zechagrochen?
Hiesl. Nichts dergleichen: Ihr schwarmerische Bürger und neugeborne holb Luthrische verur-
sochtholtollesUnglikh/undUnstern/woihrnurhinkommet.
Riepel. Wos hobn don die orme Bürger scho wida Böses stüfften müessen? hob wida uns von
niemondLuthrischennoklognhörn, so long ibeymeinenHerrn inDienstenbi.
Hiesl. Nichts Gutes hobt ihr gstüfft / weil wegen enkh heunt die Stott-Thor nicht geöffnet wer-
den.MueßolsowidermeinenWillnlängerhiebleiben,undneueUnköstnmochen.Sollseinen
ehrlichnundhäußlichenMonnnichtrechtschoffnvertrießn?
Riepel. Wos soll mon long d'Thor gspehrt holtn, seynd wir doch schon herein? und won wir
wida davo gehn möchtn oder woltn, gabs jo no ondere Tög in der Wochen, und werden die
Thordestwegendurchsgontze Johrnichtkönnenvorspehrtbleiben.
Hiesl. Eben dorumb weil scho so vil aus enkh hereinkommen, will mon keinen mehr aus den
gestert Obends ongekommenen hereinlossn, sondern sollen gleiwohl umb ein Haus weiter
gehen: die Cotholische Herren thuen sich gwolti drüber beschweren, und sogn, es geb scho
gnueg Orme, und ondere vile Freßnorren in der Stott; wo mon don mehr dergleichen poßirn
liesse,warensdergemeinenStottnureinUberlost:monkönneundsolledenenungehorsomen
Rebellen,undverwegnenRumorstüffternnichtwohltrauenetc.
Riepel. WersogtvounssötlehorteDing?wirdgwißnogrobeHandlobsetzn;dieThöremüessn
holtmitGwoltaufgsprengtwerden,wongueteWortnichthelffenwolln.25
Gfriß] (abwertend für) Gesicht d'Zecha] die Zehe Bürger] Gebirgler enkh] euch häußlichen] wirtschaftlich,
sparsam Rumorstüfftern]Aufständischen sötle] solche Handlobsetzn]Streitereiengeben
nehmen, Hochadelichen Mit-Glid der Hochwürdigsten Geistlichkeit in Ober-Teutschland. Dillingen, Mit
GenehmhaltungundGutheissenderOberen.1732. [DerobenzitierteTitel istdemeigentlichenTextauf f.
2rvorangestellt].
24 Vgl.Florey,DieEntwicklungdesProtestantismus,S.25f.
25 FreundlichesGespräch,S.53f.
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Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
Eine andere Literaturgeschichte
- Title
- Bairisch-österreichische Dialektliteratur vor 1800
- Subtitle
- Eine andere Literaturgeschichte
- Authors
- Christian Neuhuber
- Stefanie Edler
- Elisabeth Zehetner
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20630-9
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 652
- Keywords
- Germanistik, Dialektliteratur, Bairisch, Sprachwissenschaft, österreichische Dialektkunst
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen