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Gemahlin Josefa Aloisia, von welcher sich dieselbe laut Testament
vom 17. März 1729 auf Graf Josef Alois Katzianer vererbte. Bei
diesem Geschlechte blieb Kirchberg bis 1821, wo es Johann Fürst
Lichtenstein kaufte. Seit dieser Zeit theilte Kirchberg das Schicksal
jener vielen steirisehen Schlösser, welche von den Besitzern nicht
be-wohnt
und daher vernachlässigt werden. So wurden zuerst die
Seiten-tracte
demolirt, sodann der grosse Jagdsaal in zwei Stockwerke
getlieilt, die Ziergärten aufgelassen und alle Einrichtung entfernt
und dann das Schloss seiner Vereinsamung überlassen. Bis zur
Aufhebung der Patrimonialherrschaft wurden auch hier die
ehe-maligen
Herrschaften Siegersdorf und Aheim, deren Schlösser schon
abgebrochen waren, verwaltet, daher Unterthanen aus 40 Ortschaften
hierher dienstbar waren.
Heute bildet die Herrschaft Kirchberg a. d. Raab einen
Theil des Fürst Lichtenstein'schen Secundogenitur-Fideicommisses
mit einem Grundbesitz von 745 Joch, 700 • Klafter (428.627 Ha.)
nebst Rentmeisterei, Försterei und Maierhof-Gebäude.
Hoffentlich wird bild eine fröhliche Knabenschaar die so
lange vereinsamten Räume des Schlosses beleben und, indem es mit
seinen Gärten armen "Waisenknaben eine Stätte der Regenerirung
ihrer geschwächten Gesundheit bieten wird, wird es eine der edelsten
Aufgaben erfüllen.
Spaziergänge:
Kirchberg, selbst von Wiener Sommergästen frequentirt, ist
reich an angenehmen Spaziergängen und Waldpromenaden und
eignet sich zur Sommerfrische.
1. Nordwestlich von Kirchberg liegt der schöne Langen-
wald, in 10 Minuten erreichbar. Durchschreitet man denselben
in der angegebenen Richtung, so gelangt man nach Raders-
dorf. Ein hübscher Waldweg führt von hier aus nach San et
Marein am Pickelbach, jedes Kind im Dorfe ertheilt die
gewünschte Auskunft.
2. Von Kirchberg über die sogenannte Kirchleiten hinunter
nach Studenzen, rechts abbiegen über die bewaldete Anhöhe
nach Graberberg zum Gupfwirth. Der Gupfwirth liegt an
der Grenze dreier Bezirkshauptmannschaften, auf einem Hügel,
von welchem aus man eine schöne Fernsicht geniesst.
3. Von Kirchberg in südöstlicher Richtung nach Rot-
berg zum Gsölls. Sehr lohnender Ausflug, in % Stunde er-
reichbar, hübsche Wald- und Wiesenwege, gute Bewirthung
Die nordöstliche Steiermark
Eine Wanderung durch vergessene Lande
- Title
- Die nordöstliche Steiermark
- Subtitle
- Eine Wanderung durch vergessene Lande
- Author
- Ferdinand Krauss
- Publisher
- -
- Location
- Graz
- Date
- 1888
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 10.93 x 17.9 cm
- Pages
- 498
- Categories
- Geschichte Vor 1918