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48 Sektion I: Themen und Medien der Repräsentation
/ welchem der unstreittige Vorzug / vor andern Kaisern und Königen so gewiß
/ als der Sonne vor den Sternen / gebühret. Denen allen und jeden aber / geht
darnach die Kaiserliche Lust-Gärten / um so viel für / um wieviel Seine Kaiser-
liche Majestät / an Hoheit und Macht / alle seine gewaltige und höchst-ansehn-
liche Ministres / übertrifft. Durch ein einziges Exempel die Wahrheit meines
Auspruchs zu bekräfftigen / lege ich dem verständigen Leser / einen Abriß vor
Augen / von dem Kaiserlichen Schloß und Garten zu Schönbrunn […].“
Konsequenterweise wird Schönbrunn dann als erster Gartenpalast in Bild und Text
vorgestellt:
„Den allervörderisten Platz eigne ich höchst-billig / dem in der Vorrede von
mir höchst-gepriesenen Kaiserlichen Lust-Schloß Schönbrunn zu / dessen herr-
liches Schloß / und über alle Massen künstlich-angelegter Garten / würdig ist
/ daß das höchste Haupt der Welt / darinnen zu Seiten sein Vegnügen suche.
[…] Den Ruhm eines so vortrefflich-aufgeführten Gebäudes / trägt (S.T.) Herr
Johann Bernhard Fischer von Erlach / […]. Was noch an diesem Kaiserlichen
Lust-Schloß und Garten anzubauen ist / das soll unter der glücklichen Regie-
rung unsers jetzigen allertheuersten Kaisers […] nächstens seine Perfection zu
hoffen haben.“41
Eine formal gleichartige Darstellung des Josefsbrunnens wie bei Rinck, aber mit an-
derer Bildlegende wurde 1718 im 17. Band des Theatrum Europaeum veröffentlicht
(Abb. 5), der den Jahren 1704 bis 1706 gewidmet war. Das 1702 von Leopold I.
gelobte Monument existierte damals noch immer in der provisorischen Form eines
Holzmodells von 1706.42 Der Text berichtete kurz von der Einweihungsfeier und zi-
tierte die kaiserliche Widmungsinschrift.43 Ausgangspunkt beider Darstellungen war
die großformatige (68,5 x 37,0 cm) offizielle Radierung von Christian Engelbrecht
und Johann August Pfeffel, die wohl noch 1706 mit kaiserlichem Privileg entstan-
den ist, wie aus der Inschrift hervorgeht: „Abbildung der auß Verlobnuß weil. Ihrer
Maj. Leopoldi des Ersten höchstseeligen Angedenckens und allergnädigsten Befehl
Ihrer anjetzo Glorwürdigst regierenden Kays. Maj. Josephi des Ersten […] prächtig
aufgerichteten Ehren-Saul“.44 1713 bzw. 1719 wurde das vorläufige Denkmal auch
bei der Platzansicht von Fischer jun. und Delsenbach in den Wiennerischen Prospecten
prominent in Szene gesetzt.45
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Title
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Subtitle
- 1618–1918
- Editor
- Werner Telesko
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 448
- Categories
- Geschichte Vor 1918