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142 Sektion I: Themen und Medien der Repräsentation
den siegreichen Römern. Fux verwendet hier oft kontrapunktische Sätze, und zwar
in den instrumentalen Ritornelli zu einigen Solo-Arien und in einigen Chorpartien.
Am Tag der Aufführung von Costanza e Fortezza wurde öffentlich erklärt, was
schon einige Wochen ein offenes Geheimnis war: Das Kaiserpaar war guter Hoff-
nung. Es sah daher so aus, als ob die Botschaft dieser festa teatrale schon am Tag der
Uraufführung nicht mehr aktuell sein könnte. In den Gratulationen zur Krönung,
die der Kaiser aus verschiedenen europäischen Staaten sowie aus den Länder der
Monarchie erhielt, wurde auch die Hoffnung auf die Geburt eines Erbfolgers ausge-
drückt. Während der Krönungsfestlichkeiten trank man zum Wohl des ‚Hansel im
Keller‘, wie das erwartete kaiserliche Kind öffentlich genannt wurde. Jedenfalls ver-
änderte dieses Ereignis ganz unerwartet den Inhalt der im Herbst 1723 begangenen
höfischen Festlichkeiten und spiegelte sich in den für die Kaiserin Elisabeth Christine
entstandenen Huldigungswerken. Statt der bisherigen defensiven Verteidigung der
Pragmatischen Sanktion trat die Hoffnung auf einen männlichen Erbfolger in den
Vordergrund. Dieser würde das Erzhaus Habsburg zu neuen Siegen und Triumphen
führen, besonders sollte er aber den künftigen Frieden und das allgemeine Wohl
gewährleisten.
Als erstes wurde am 29. August die ebenfalls der Kaiserin zum Geburtstag ge-
widmete Kammer-Serenata Il Giorno felice des Hofdichters Pietro Pariati und des
Hofkomponisten Giuseppe Porsile aufgeführt. An dieser in der Prager Burg wahr-
scheinlich nur in engem Kreis von kaiserlicher Familie und Höflingen begangenen
Aufführung nahmen nur adelige Musiker teil.10 Die Serenata besteht aus einer einlei-
tenden instrumentalen Sinfonia, sechs Solo-Arien und zwei Terzetten der drei han-
delnden Figuren Aurora (Morgenstern), Sole (Sonne) und Tempo (Zeit). Im ersten,
tänzerischen Terzett preisen alle den glücklichen Tag von Elisabeth Christines Geburt.
Dann beginnen sie jedoch sich zu streiten, und zwar, wer von ihnen den größeren
Verdienst an der Geburt der Kaiserin habe. Aurora stellt in ihrer mit Flöten, Violinen
und Lauten begleiteten Solo-Arie fest, dass sie den glücklichen Tag von Elisas Geburt
eröffnet hat. Sole hat den ganzen Tag mit seinen Strahlen erhellt, Tempo hatte wiede-
rum unter allen Tagen den erhabensten, vom hellsten Sternenlicht erleuchteten Tag
gewählt. Da sie sich nicht einigen können, erkennen sie den höchsten Verdienst dem
Schicksal (Fato) zu. Im letzten Rezitativ weist Aurora auf einen anderen, sehnlich
erwarteten Tag der Geburt einer neuen österreichischen Sonne aus der Kaiserin als
dem Morgenstern hin. Sole und Tempo schließen sich dieser Lobpreisung mit einem
Wunsch an und alle Figuren singen in einem Schlussterzett: „Venga quel dì felice
che con ridente ciglio del grande Augusto figlio anche il natal si adori“ („Komme der
glückliche Tag, in dem man mit Freude die Geburt des vornehmsten Sohnes preisen
wird“). Die für diese Serenata charakteristischen Musikinstrumente sind Flöten und
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Title
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Subtitle
- 1618–1918
- Editor
- Werner Telesko
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 448
- Categories
- Geschichte Vor 1918