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Sektion II: Herrscher, Staat, Nation
Richard Kurdiovsky/Stefan Schmidl
Kategorien der Untersuchung von Repräsentation von Souveränität
Die psychische Emergenz von Souveränität ist bedingt durch ihre Repräsentation.
Erst die Vermittlung, die diese Repräsentation gewährleistet, verankert und konso-
lidiert die Vorstellung einer herrschaftlichen/staatlichen Ordnung im Bewusstsein
(sowohl der souveränen Person als auch jener Personen, die ihr untergeordnet sind).
Dadurch ermöglicht diese Vermittlung, dass der imaginäre Charakter der Souveräni-
tät materielle Folgen zeitigt. Repräsentation ist daher mehr als eine bloße Formgele-
genheit und eine rudimentäre Ästhetisierung von Politik.
In der analytischen Auseinandersetzung mit entsprechenden historischen Arte fakten
bzw. der Rekonstruktion von repräsentativen Prozessen gilt es grundsätzlich zu unter-
scheiden, ob es sich hierbei, die Klassifizierung von Philip Manow aufgreifend und
abwandelnd, um ‚heiße‘ oder ‚kalte‘ Repräsentation gehandelt hat, also entweder eine
Konstellation, in der der Herrscher seinem ‚Volk‘ physisch gegenübertritt, oder eine
Situation, in der ein abwesender Souverän innerhalb einer gouvernementalen Situation
vertreten wird.1 Manows Schema ging allerdings von einem politikwissenschaftlichen
Verständnis von Repräsentation aus und klassifizierte nicht die artifizielle Präsenz in-
dividualisierter Macht. Doch auch die Vertretung durch künstlerische Repräsentation
lässt sich nach den genannten Gesichtspunkten differenzieren: So kann die Begeg-
nung mit dem Bild bzw. der Metapher der Herrschers, bei dem bzw. der es sich um
ein eminentes Beispiel politischer Kommunikation handelt, ‚heiß‘ (intensiv-unmittel-
bar-ephemer) oder ‚kalt‘ (konsekutiv-ritualisiert-institutionalisiert) geschehen.
Differenzierung der Repräsentation
Die Unterscheidung dieser Modi ist in der Beschäftigung mit der Kultur der Re-
präsentation ebenso zu berücksichtigen wie die Genese und die Entwicklung des
eingesetzten Formelrepertoires (beispielhaft hat etwa Martin Warnke gezeigt, welche
bezeichnenden Wandlungen die Visualisierung der Demokratie durchlaufen hat).2
Dazu zählt auch der Umstand, dass sich mit der ‚Erfindung der Nation‘ Ende des
18. Jahrhunderts und ihrer Inversion zur Idee des Nationalstaates eine imaginäre
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Title
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Subtitle
- 1618–1918
- Editor
- Werner Telesko
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 448
- Categories
- Geschichte Vor 1918