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Sektion II: Herrscher, Staat, Nation 161
ben dieser Macht, wie sie sowohl ‚von oben‘ als der ausübenden Seite als auch ‚von
unten‘, von der Seite der durch untergeordnete Verwaltungseinheiten vertretenen
Untertanen, gesehen werden konnten. Dabei sind der Zeit- und geogra phische Raum
sehr einheitlich: das ausgehende 19. Jahrhunderts in drei Regionen der Habsburger-
monarchie, die geographisch eng beieinander liegen. Doch trotz dieser räumlichen
und zeitlichen Nähe waren die Gemengelagen vor Ort sehr gegensätzlich. Im Sinne
einer Spezifik des Ortes waren es vor allem lokale, religiöse, administrative, poli-
tisch-nationalideologische etc. Bedingungen und Verhältnisse, in denen die exem-
plarisch behandelten Beispiele entstanden und erweisen, wie Manifestationen von
politischer Repräsentation vom jeweiligen Kontext abhängig sind.
Zum einen handelt es sich um Gebiete wie Siebenbürgen, die historisch seit Jahrhun-
derten Bestandteil habsburgischer Herrschaft (bzw. zumindest des Anspruchs darauf)
waren und sich dabei innerhalb eines einheitlichen Verwaltungsgebiets ethnisch und re-
ligiös sehr heterogen zusammensetzten; zum anderen handelt es sich um ebenso hetero-
gen beschaffene Gebiete wie Bosnien-Herzegowina, die dem habsburgischen Macht-
bereich völlig neu hinzugefügt wurden, und schließlich um Gebiete, die zwar zu den
historischen Erb- und Kronländern Habsburgs zählen, in denen aber die spezielle eth-
nische Zusammensetzung der Bevölkerung über Landesgrenzen hinweg die Vorstellung
einer auch räumlich einheitlichen Nationsidee vor andere Herausforderungen stellte
als etwa in Böhmen. Gleichzeitig präsentieren diese drei Artikel die Verschiedenheit
jener sozialen Gruppen (etwa des Militärs, der Kommunen oder Landesverwaltungen,
aber auch lokaler Eliten), die Monumente produzierten. Indem diese Monumente die
Eigenvorstellung von staatlicher Obrigkeit bzw. die Fremdvorstellung davon ausdrück-
ten (oder zumindest mittelbar transportierten), kam es zu verschiedenen Ergebnissen
und Aussagen in den Monumenten je nach den individuellen Ansprüchen und Inten-
tionen, die hinter der Entstehung dieser Monumenten standen. Die Darstellung von
‚Macht‘ erweist sich dabei als immer abhängig von der beabsichtigten Botschaft und
den individuellen Interessen der Gruppe der Auftraggeber. Gruppen, die dabei homo-
gene Interessen verfolgten, konnten in der Umsetzung sehr viel autonomer vorgehen als
jene Gruppen, die beispielsweise gesamtstaatliche Interessen, also über diverse soziale,
ethnische, nationale, religiöse etc. Grenzen hinweg reichende Interessen vertreten muss-
ten; war ihre Intention doch, abbildlich die Einheit des Staates, dessen Bestandteile sich
so heterogen charakterisierten, zu wahren. Und schließlich erweist sich, dass die räum-
liche Wirksamkeit der Monumente auf ihr Publikum vom jeweiligen Aufstellungsort
abhängt, der ursächlich von der Intention des Monuments bedingt ist.
Auf einen groben Nenner gebracht, geht es in den folgenden Artikeln um die
Darstellung der Gesamtheit des Staats, die Abbildung einer nationalen Idee und die
bildliche Vermittlung eines neuen Herrschaftsanspruchs.
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Title
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Subtitle
- 1618–1918
- Editor
- Werner Telesko
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 448
- Categories
- Geschichte Vor 1918