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Der Sammler und sein Kaiser 241
Waffen die zentrale, lebendig anmutende Reiterstatue des lorbeergekrönten Kai-
sers im Harnisch.37 Sie verkündet die Botschaft der kaiserlichen Apotheose, durch
welche diese Gestalt mit derjenigen auf dem oben besprochenen Flugblatt mit dem
Reiterbildnis des Kaisers verbunden werden konnte. Insofern hätte Valvasor auch
dieses Motiv des kaiserlichen Reiters in der Levade vor Augen haben können, als er
den Entwurf des imperialen Reiterstandbildes für die krainische Hauptstadt entwi-
ckelte.38
Leopold I. als Triumphator über die Türken
Aus der großen Produktion illustrierter Flugblätter zu laufenden politischen Ereig-
nissen, die mit der entsprechenden Imagewerbung und Siegespropaganda für den
Kaiser auf das Engste verbunden waren, findet man in der Sammlung Valvasor vor
allem solche, die sich auf die turbulente Zeit um die Türkenbelagerung Wiens und
die Jahre danach beziehen. Das mediale Echo der Ereignisse um und nach 1683 do-
kumentieren mehrere illustrierte Flugblätter zur Besatzung und Befreiung Wiens und
Ungarns bis zum Jahr 1687. Diese stellen auch die letzten datierbaren illustrierten
Flugblätter in der Sammlung Valvasor dar.39 Der Kaiser erscheint in Person jedoch
nur auf einer Darstellung, umgeben von seinen Heerführern, mit türkischen Gefan-
genen, im Sinne einer symbolisch konzipierten Zurschaustellung zum Andenken an
die Befreiung der Reichshauptstadt.40 Es handelt sich um ein Flugblatt, das 1683 in
Augsburg von Melchior Haffner gestochen und von Jacob Koppmayer unter dem
Titel Triumphierliches Denck=und Sieges=Mal gedruckt wurde.41
Im Hauptbild prunkt Kaiser Leopold I. auf dem Thron, während auf der linken
und rechten Seite seine siegreichen Verbündeten stehen. Mit Sicherheit kann man
rechts vom Kaiser den polnischen König Jan III. Sobieski sowie die beiden Kurfürs-
ten Maximilian Emanuel von Bayern und Johann Georg von Sachsen erkennen. An-
wesend sind auch Herzog Karl von Lothringen, Fürst Georg Friedrich von Waldeck
und der Befehlshaber der Wiener Stadtverteidigung, Graf Rüdiger von Starhemberg,
der dem Kaiser den Stadtplan zeigt. Viele ungarische Untertanen auf der linken Seite
betrachten das Geschehen mit großer Bewunderung. In der Mitte liegen auf dem
Boden die eroberten Waffen, Fahnen und ganz vorne knien die gefangenen Türken
in Ketten. Victoria bringt dem Kaiser einen Kranz, und Fama verkündet mit Posau-
nen: „Vivat Leopoldus Imperator Pater Patriae und Victor, Thriumphator, Terrorque
Regni Turuci“ [sic!]. Im kleinen Bild oben rechts, das wie ein Gemälde gerahmt
ist, werden die Türken als tote Elefanten dargestellt, die sich in Mäuse verwandelt
haben. Dies bestätigt auch die begleitende Inschrift „Ridiculi Mures ex Elephantis
Subito facti Sunt Turcae“. In seinem Gegenstück links ist aber Hercules Germaniae
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Title
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Subtitle
- 1618–1918
- Editor
- Werner Telesko
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 448
- Categories
- Geschichte Vor 1918