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Vor 1918
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur - 1618–1918
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260 Sektion III: Netzwerke such des Kaiserpaars in der Kunstkammer. Auffällig ist jedenfalls, dass die Besuche in der Galerie alljährlich um den 20. April erfolgten (24. April 1721, 22. April 1723, 21. April 1724, 23. April 1725). Die Räumlichkeiten der kaiserlichen Galerie in der Stallburg waren erst kurz zuvor renoviert worden.18 Einzig 1722 fehlt knapp einen Monat nach dem Tod des Vertrauten Graf Althann eine entsprechende Nennung. Das kaiserliche Zeremoniell und damit Fragen der kaiserlichen Repräsentation werden in den Notizen zwar mehrfach erwähnt, Details oder längere Ausführun- gen sind aufgrund der Kürze der Einträge aber nicht vorhanden. Karl VI. kommen- tierte vereinzelt gelungene Zeremonien oder auch Abweichungen vom Zeremoniell. Ein Reflektieren von kaiserlichen Bauprojekten oder eine vom Kaiser ausgehende Kunstpolitik ist in den Tagebüchern nicht bzw. diese selbst nur ansatzweise greifbar; aufgrund ihrer Kürze waren die Einträge dazu letztlich auch wenig geeignet. Immer- hin finden einzelne Projekte durchaus Eingang in die Notizen (z. B. Bibliotheksbau, Spanische Spitalskirche, Schwarzspanierkloster). Auffallend ist jedoch insbesondere im Vergleich zu den politischen Ratgebern das Fehlen der Namen der Protagonisten. Eine Ausnahme bildet hier allein Pio Niccolo Garelli, der aber vor allem wegen seiner medizinischen Expertise zu Rate gezogen wurde. Die Tagebuchnotizen vermitteln also einen Eindruck über den Zugang der kaiser- lichen Ratgeber zu Karl VI., die Namen der Träger von Kunst und Musik am Kaiser- hof fehlen im Untersuchungszeitraum jedoch weitgehend. Was könnte dies bedeu- ten, wenn Gespräche mit diesen Personenkreisen aber stattgefunden haben müssen? Vielleicht fügten sie sich für Karl VI. weniger stimmig in das Bild des arbeitsamen Monarchen, das er wohl künftigen Familiengenerationen vermitteln wollte. Folge- richtig erwähnte er vornehmlich die Namen der politischen Ratgeber neben jenen seiner Familie. Althann bildet dabei aufgrund seiner besonderen Vertrauensstellung eine Ausnahme. Neben der tatsächlichen politischen ‚Arbeit‘ wird jedoch sehr wohl dem Vergnügen in der Erwähnung von Jagden, Scheibenschießen oder Spielrunden Raum gegeben. Die Tagebücher können als persönlicher Tätigkeitsbericht des Monarchen verstan- den werden und waren nicht für eine breite Öffentlichkeit bestimmt. Demnach dien- ten sie nicht als Mittel der Repräsentation nach außen, zumindest war ihr Inhalt nicht für andere europäische Höfe bestimmt. Die Frage, inwiefern die Tagebuchführung des Monarchen ‚von außen‘ wahrgenommen wurde, muss unbeantwortet bleiben. Im Vergleich dazu steuerte der preußische König Friedrich II. über die Publikationen seiner Werke eine Generation später durchaus bewusst sein Bild in der Öffentlichkeit – eine Initiative, die letztlich bis heute wirksam ist. Dagegen trat Karl VI. nicht aktiv als Autor in Erscheinung, auch wenn der Monarch im Zentrum der höfischen Bericht- erstattung, etwa des Wiener Diariums oder anlassbezogener Huldigungswerke, stand.
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Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur 1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
Title
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
Subtitle
1618–1918
Editor
Werner Telesko
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20507-4
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
448
Categories
Geschichte Vor 1918
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Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur