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294 Sektion III: Netzwerke
Der Lobpreis auf das einfache Leben auf dem Lande und die Bevorzugung des
pastoralen Milieus gegenüber dem des ‚Hofs‘ und der ‚Großstadt‘ sind vor dem
Hintergrund von Questenbergs massiver Föderung seiner Herrschaft Jarmeritz zu
sehen, mit dem er sich in hohem Maße identifizierte.
L’origine di Jaromeriz in Moravia (1730)
L’origine di Jaromeriz in Moravia wurde in Jarmeritz 1730, wahrscheinlich im De-
zember zum Namenstag des Grafen aufgeführt. Die Handlung der Oper spielt im
mittelalterlichen Königreich Böhmen, basiert jedoch nicht auf historischen Tatsa-
chen, sondern wurde frei erfunden. Die Protagonisten sind drei männliche und drei
weibliche Personen aus dem hohen Adel und vertreten die drei Teile der böhmischen
Krone, Böhmen, Mähren und Schlesien. Den Hauptstrang der Handlung bildet eine
Liebesgeschichte, und die im Titel der Oper genannte Erbauung der Stadt Jarmeritz
kommt ebenfalls nicht zu kurz.
Eine der wichtigsten Szenen in der ganzen Oper befindet sich am Beginn des drit-
ten Akts: Direkt auf der Bühne wird vor den Augen der Zuschauer die Stadt Jarmeritz
errichtet. Im Libretto steht dazu folgende Angabe: „Eine Ebene mit vielen Arbeitern
und Soldaten der Hedwigis, die beschäftiget seynd die Mauern der Stadt zu erbauen,
welche man nach und nach eine Form zu bekommen, beobachtet.“28
Diese Oper repräsentiert wieder deutlich den mährischen Patriotismus Questen-
bergs, versteht sich aber auch als Huldigung auf den Grundherrn und dessen Bestre-
bungen im Ausbau der Herrschaft Jarmeritz. Der Adelige Gualtero, der als Gründer
von Jarmeritz die Verkörperung Questenbergs darstellt, spricht mehrmals explizit
über Mähren und über die Wichtigkeit des Friedens, als dessen Garant wiederum
Gualtero/Questenberg verherrlicht wird. Gualtero dankt beispielsweise Genovilde,
der Tochter des böhmischen Königs, mit den Worten: „Unser Mähren/Kan [sic]
sich allein durch dich glückseelig / nennen.“ (III/10). Auffällig ist auch das Bangen
Ottocaros29 um den Frieden und die Sicherheit Mährens. In der Szene III/3 singt
er: „Das Mähren-Lande soll nicht mehr schlaffen: / Man ruffe die Freinde / Und
Nachbarn g’schwind zu Hülffe: / Ergriffen und nicht verworffen / Sey unser günst’ges
Schicksaal.“ Im darauffolgenden Auftritt (III/4) sagt Ottocaro zu Draomira: „Dein
Bruder lasset sich von der Hofnung blenden, / Und seinetwegen wacklet / Die Si-
cherheit des gantzen Mähren-Landes, [...].“ Draomira setzt fort: „[...] Fasse Muth,
und wohlbedencke, / Daß in Gualtero bestehe / Die größt’ Ang‘legenheit von gantz
Mähren. [...].“30
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Title
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Subtitle
- 1618–1918
- Editor
- Werner Telesko
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 448
- Categories
- Geschichte Vor 1918