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302 Sektion IV: Zeremonielle Räume und die „Öffentlichkeiten“
gewendet. Gegenständlich sind persönlich vom Herrscher gesetzte Akte, in denen er
bzw. seine Familie Staat und Dynastie öffentlich verkörpern, weiters auch die Reprä-
sentation im Sinne von Stellvertretung durch Bauwerke und Denkmäler, die für den
abwesenden Herrscher oder auch für konträre Interessensvertreter (z. B. der Stadt,
der Wirtschaft, des Adels) deren Machtansprüche abbilden, sowie die Vertretung des
Herrscher bzw. der Dynastie durch prominente Hofkünstler und deren Produkte.
Ein zentraler kritischer Ansatz der Repräsentationsforschung liegt in der Notwen-
digkeit, die richtigen und eindeutigen Positionen der Beteiligten innerhalb der Kom-
munikation zuzuordnen:5 Wer ist Adressant und wer ist Adressat der habsburgischen
Repräsentationsbotschaften? Es gilt, den häufig in der Literatur zu findenden, allge-
meinen Formulierungen, ein Kunstwerk sei ‚auf Veranlassung‘ oder ‚im Auftrag‘ eines
habsburgischen Herrschers entstanden, auf den Grund zu gehen. Es ist im Einzelfall
zu untersuchen, wie die Verhältnisse tatsächlich gelegen sind. Gerade bei Kunstwer-
ken im Stadtraum erscheinen lineare, lediglich in eine Richtung ausgegebene Bot-
schaften wenig wahrscheinlich. Zu vielschichtig, zu gegenseitig überlagert waren die
Interessengruppen und damit die interessegeleitete Vermittlung von Botschaften.
Die Annahme, der Landesherr hätte alle Entscheidungen alleine getroffen bzw. im
Vorfeld von Entscheidungen alle Notwendigkeiten eigenständig beurteilt, hieße,
die Kapazität des Landesherrn zu überfordern und die – zumindest im politischen
Kontext – prozessuale Verfasstheit des Kunstwerks zu ignorieren. So gesehen lag die
Entwicklung und Entstehung von Kunstwerken immer in den Händen mehrerer
Beteiligter, sie war immer eine – kommunikationstechnisch gesehen – Abgleichung
von mehreren, eventuell auch gegensätzlichen Interessenlagen. Die Entstehung des
dauerhaften, ephemeren oder performativen Kunstwerks basiert in diesem Sinn auf
einem in viele Richtungen laufenden Kommunikationsprozess zwischen mehreren
Kommunikatoren und deren Interessen.
Die Befragung der unterschiedlichen Anlässe und Ereignisse der Begegnung von
Repräsentant und Adressat, die an verschiedenen Orten und in verschiedenen sozialen
Räumen bzw. vor nicht selten durch das Zeremoniell genau ausdifferenzierten Teilöf-
fentlichkeiten stattfinden, erfolgt aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Fügt man auch
Fragen nach deren Sprache (im Sinne einer symbolischen Kommunikation) hinzu,
ergibt sich ein komplexer, perspektivenreicher Themenkreis, dessen Bearbeitung die
Subtilität, mit der mittels zeremonieller Finessen unterschiedliche Aspekte von Reprä-
sentation ausgedrückt und erlebbar gemacht wurden, aufdeckt. So wird in den folgen-
den vier Beiträgen der Repräsentationsgehalt von Ereignissen, angesiedelt zwischen
Hochbarock und dem Ende der Monarchie, schlaglichtartig beleuchtet. Als promi-
nenteste und wahrscheinlich auch ursprüngliche Form können persönliche Akte und
unmittelbares Agieren des Herrschers gelten, in denen er bzw. seine Familie sich – und
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Title
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Subtitle
- 1618–1918
- Editor
- Werner Telesko
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 448
- Categories
- Geschichte Vor 1918