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Der Herrscher im Bergwerk 361
die Grubenaufsicht unterhalb des Göpels. In diesem Montanrevier en miniature ist
sogar ein Flurdenkmal mit Chronogramm63, das auf den Besuch Franz I. Stephans
verweist, zu finden.
Eine Suche nach Aussöhnung – Niederungarische Bergreviere als Aushandlungsort durch
Repräsentationen (Zusammenfassung)
Die hier untersuchten Beispiele der Repräsentationen zeigen, auf welche Weise die
in der Einleitung beschriebenen Interessenkonflikte zwischen der ärarischen Mon-
tanverwaltung, den althergebrachten Selbstbestimmungsrechten der Bergstädte und
Ansprüchen der erstarkenden ungarischen Nobilität in einem herausgehobenen Mo-
ment aufeinander trafen. Die Entscheidung Maria Theresias und Franz I. Stephans,
die Spannungen zwischen den verschiedenen Interessengruppen durch Veranstaltung
einer Visitationsreise ihrer Söhne auszugleichen, zeigte sich als erfolgreich. Die un-
garische Nobilität, die durch Theresianische Reformen und die damit verbundene
Zentralisierung um ihre Rechte fürchtete, konnte ebenso in die Vorbereitungen ein-
gespannt werden wie die freien königlichen Bergstädte.64 Wie von dem Herrscher-
paar erwartet konnten beide Fraktionen in den Huldigungszeremonien angemessen
repräsentiert werden und damit indirekt auch in die Reformpolitik einwilligen.
Die niederungarischen Bergstädte demonstrierten aber auch durch die anteilige
Bestreitung der sehr hohen Kosten65 der Reise und die wertvollen Geschenke bzw.
Freudenfeste, die sie veranstalteten, nicht nur ihre Verbundenheit der Dynastie ge-
genüber. Sie kompensierten auf diese Weise auch ihr ramponiertes Selbstbewusstsein,
das durch die Beschneidung ihrer Selbstverwaltungskompetenzen durch die ärarische
Montanverwaltung gelitten hatte. Durch die Beteiligung an den Feierlichkeiten ver-
suchten sie sich als relevanter Mitspieler zu etablieren, obwohl die städtischen und
gewerkschaftlichen Bergwerke zu dieser Zeit meistens nur mit sehr geringem Ertrag
wirtschafteten. Gleichzeitig waren auch Besuche von diesem Rang ein sehr willkom-
mener außerordentlicher Verdienst für die städtischen Handwerker und Händler, da
der direkte und indirekte Verbrauch schlagartig anstieg.66
Die zentrale Rolle bei der Vorbereitung und Durchführung der Reise kam der
Montanverwaltung in Wien und in Schemnitz zu. Die beiden Behörden zeigten sich
für die Planung und Durchführung der Reise verantwortlich. Sie stützten sich zum
Teil auf die Erfahrungen aus der Vorbereitung der Reise des Kaisers von 1751. Auch
diesmal verpasste es der Präsident der Hofkammer nicht, sich als der höchster Beamte
der Montanverwaltung zu präsentieren, obwohl der eigentliche Verdienst, nicht nur
am reibungslosen Verlauf der Reise, den lokalen Oberbeamten zu zukam.
Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
1618–1918
Representing the Habsburg-Lorraine Dynasty in Music, Visual Media and Architecture
- Title
- Die Repräsentation der Habsburg-Lothringischen Dynastie in Musik, visuellen Medien und Architektur
- Subtitle
- 1618–1918
- Editor
- Werner Telesko
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20507-4
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 448
- Categories
- Geschichte Vor 1918