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und aussuchen, denn einige schlechte Bohnen verderben, da sie schneller schwarz
werden, den Geschmack des ganzen. Wenn man ihn in der Trommel auf offe-
nem oder in der geschlossenen Pfanne am Tparherd bratet, muß das Feuer nm
außer, nicht unter derselben gerichtet sein. Nebst dem unausgesetzten Drehen
ist es notwendig, sie oft in die Höhe zu nehmen und recht zu schütteln. Wenn
der Kaffee stark raucht und zu krachen anfängt, sieht man nach, und sobald er
zimmtfarb und glänzend wird, gibt man ihn in die Büchse, oder wenn er schon
genug schwitzt, in ein Sieb. Macht man ihn mit Nasser, wovon er am
schmackhaftesten wird (besonders zum schwarz trinken), so sind 3 Loth von ge-
riebenem Kaffee zu 1 Seidel Wasser genügend. Bei Sud gibt man natürlich
weniger.
Unter den zahllosen Arten von Kaffeemaschinen gehören die so gewöhnli-
chen Filtrirmaschinen noch immer zu den besten; den Kaffee muß man aber fest
eindrücken, wobei man das Ekb nicht auf dein Unterteile stehen lassen soll, da
immer etwas durchgeht, und Wasser, oder den recht k laren Sud muß
mankochend in kleinen Por t ionen au fg ießen ,ohneRühren
oder anderen Versuchen, daß es schneller durchf l ieße. Um
klaren, immer gleichen Snd zu haben, ist es gut, den Kaffee dann mir so viel
Wasser, als man taglich aufgießt, zugedeckt zu kocheu, und wenn er vcrschänmt
hat, mit etwas kaltem Wasser abgeschreckt, sich setzen zu lassen. Wenn das Klare
nach dem Erkalten in eine Flasche gmillt wnrde, wird der Satz weggeschüttet.
Doch alle Güte und Reinheit des Kaffee's genügt nicht, wenn das Obers
zu leicht ist, «der einen Beigeschmack hat. Um im Nothfalle zusammengelaufe-
nes Obers doch brauchen zu können, gibt man bei 1 Seidel eine Messerspitze
voll Soda (wie man sie znm Einnehmen hat), und etwas Zucker, in dasselbe
und sprudelt es auseinander. Dies ist unschädlich, und das Obers sieht dicker
aus, als vorher, doch freilich ist es nicht ganz so wohlschmeckend, als im natür-
lichen Zustande.
' Thee.
Der schwarze Thce ist beliebter als der grüne, da er nicht so stark, und
nicht so sehr der Verfälschmig ausgesetzt ist. Man rechnet für die Person I Kaf-
feelöffel voll, den man nach Geschmack schwächer oder stärker messen kann. Wenn
man den Thce in die Kanne gegeben hat, schüttet man das Wasser recht sie-
dend ans, nnd nachdem es 5 Minuten mit dem Thee gestanden hat, füllt man
diesen gleich in die Schalen. Für dic zweite Echale gibt man von neuem etwas
Thce dazn nnd heißes Wasser darauf, weshalb man den Kessel zum Wasserko-
chen auf dnn Neben- oder Thcctischc hat. Werden mehr Schalen als zwei ge<
trunken, so wird wieder frischer Thcc in die Kanne gegeben, und ebenso auf,
gegossen. Zucker, Num und geschäumtes Obcrs nimmt sich Jedes nach Ge-
schmack dazu.
Zu gewöhnlichen kleinen Thce's gibt man süße oder Sardellenbutter,
oder beiderlei auf einem Geschirre, mit Schnitten von mürbem Brot, Salz-
stängeln oder Erdäpfeln (geschält zwischen einer Serviette), aufgeschnittenen
Schinken, oder anderes kaltes Fleisch von Kalb, Geflügel oder Wild, und Zwie-
back oder sonstiges Theegebäck, von mürbem, Brösel- oder Germtcig ohne Ein-
gesottenem. Das Backwerk wird meistens auf einer Tasse (Tablett) zusammen-
gelegt, auf die man ausgeschnittenes Papier oder eine Serviette gegeben hat,
nur gesalzenes Gebäck und Hausbrot legt man nicht zum süßen.
Die Süddeutsche Küche
auf ihrem gegenwärtigen Standpunkte
- Title
- Die Süddeutsche Küche
- Subtitle
- auf ihrem gegenwärtigen Standpunkte
- Author
- Katharina Prato
- Publisher
- U. Leykam's Erben
- Location
- Graz
- Date
- 1858
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 37.2 x 65.9 cm
- Pages
- 350
- Keywords
- Kochbücher, Kochen, Rezepte
- Category
- Küche und Garten