Page - 82 - in Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen? - Einwürfe und Provokationen
Image of the Page - 82 -
Text of the Page - 82 -
3
Computer und Internet könnendie sozialeWelt nicht ersetzen, aber sie
könnensieunterstützen, javerstärken.DieFacebook-Lerngruppegehört
zu den sinnvollen Verstärkungen des Lernens ebenso hinzu, wie eine
AugmentedReality, die leibhaft vor Augen undOhren führt, wie be-
eindruckend elegant sich Grauwale bewegen und miteinander kom-
munizieren,ohnedassderenLebenswelt zurdirekterfahrbarenWeltder
Kinder gehören muss. Vom schon fast sprichwörtlichen „Lehrer
Schmidt“, demMathematiklehrer auf YouTube für Tausende vonKin-
dern, denNerdfightern um die Brüder Hank und JohnGreen, die in
wöchentlichen Videoblogs Millionen Jugendlichen erklären, was in
Syrien passiert oder wie es zumErstenWeltkrieg kam, bis zu denKI-
KursenvonSebastianThrunsinddigitaleMediensehrgutgeeignet,mehr
überdieWelt, ihreTatsachenundderenZusammenhängezulernen.Das
hängtmit einerEigenschaft desDigitalen zusammen. Siemacht Lernen
sichtbarer, also gerade nicht leichter, sondern herausfordernder. Denn
jetzt sind neben die bisher etablierten Institutionen des Lernens eine
schier unendlicheZahlweiterer Lernorte entstanden, die vielerlei For-
mate nutzen, um über noch mehr Sachverhalte zu unterrichten. Das
macht das digitale Lernen zugleich unübersichtlich.Unklar ist jetzt,wo
ich ambesten fürmeinLerninteresse den geeignetenOrt finde. Lernen
muss daher in einer digitalen Gesellschaft noch stärker als bisher the-
matisiert werden. Es ist nicht so selbstevident, wie es die Schulen und
Universitäten für uns (geworden) sind. Das digitale Lernenwird daher
zuerst undvonnichtwenigenalsOrdnungsverlustwahrgenommen. Ich
weiß nicht,wo und beiwem ich ambesten lerne.Der hoheOrientie-
rungsbedarf erzeugt eine reiche Anschlusskommunikation, so sagen es
SoziologenwieArminNassehi (2019).DigitaleGesellschaftensinddaher
Gesellschaften in der permanenten Selbstbeobachtung und Selbstthe-
matisierung, um diesem wachsenden Orientierungsbedarf gerecht zu
werden.
Das lässt sichbesonders gut auch fürdasdigitaleLernenbeobachten.
Dass unsere Jugend nichtmehr lesen und schreiben könne und für die
Universitäten nichtmehr ausreichend gebildet sei, gehört zu denRou-
tinender Selbstthematisierung.Was dabei aber übersehenwird, ist,wie
NassehimitRecht betont, dieOrdnungsbildung, also die vielen neuen
Wege zu lernen.Wenn daher vom digitalen Lernen gesprochenwird,
dannmuss von einer intensivierten Sichtbarkeit des Lernens dieRede
sein. DieRhetorik von der Erleichterung des Lernens durch dieDigi-
GerhardLauer82
Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen?
Einwürfe und Provokationen
- Title
- Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen?
- Subtitle
- Einwürfe und Provokationen
- Authors
- Marko Demantowsky
- Gerhard Lauer
- Robin Schmidt
- Editor
- Bert te Wildt
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Location
- Oldenburg
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-11-067326-5
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 206
- Keywords
- Bildung, Schule, Technik, Universität, Digitalisierung
- Category
- Technik