Page - 92 - in Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen? - Einwürfe und Provokationen
Image of the Page - 92 -
Text of the Page - 92 -
schungsinteressen identifizieren zu können.Mein Interesse weckte das
von uns gewählte Thema über den Ansatz, Besonderheiten der
menschlichen Sprachfähigkeit aus der Differenz zu anderen Verständi-
gungssystemen herzuleiten. Verglichen mit Kommunikationssystemen
von Tieren nimmt die menschliche Sprache zwar ohne Zweifel eine
Sonderstellungein,dieUnterschiedescheinenaberehergraduellerNatur
als tatsächlich wesenhaft zu sein. Ich habe dazu bereits 2013 einen
Blogpost mit dem Titel $ber Sprache und Tierkommunikation (Hermes
2013) veröffentlicht, den ich für den erstenTeil desVortrags durchden
Einbezug aktueller Forschungsergebnisse erweiterte. Bezüglich künstli-
cher Rechenmaschinen stellt sich die Kommunikationssituation indes
völligandersdar:UntereinanderverständigensichMaschinendurchvon
Menschenerdachteundmehroderweniger festgezurrteProtokolle.Die
VerständigungmitMenschen (wennmandasüberhaupt sonennenwill)
funktioniert wiederum nur über von Menschen erdachte Program-
mierschnittstellenbzw.–inGestaltpersönlicherAssistentenwieSirioder
Cortana – über eine Kombination regelbasierter Gesprächsablaufan-
weisungen mit über Deep-Learning-Technologien realisierter Sprach-
erkennungund-verarbeitung.DerVortragnähertesichdemGegenstand
über denRückgriff auf unterschiedliche Disziplinen an, darunter Lin-
guistik, Anthropologie, Biologie (vor allem Primatenstudien), Ansätze
der Künstlichen Intelligenz und Studien zuNetzwerkarchitekturen. In
meinen Augen sind derartige interdisziplinäre Ansätze sowohl prägend
fürgegenwärtigeForschungsvorhaben,alsauchweisendfürdieZukunft.
Dafür sehe ichunterschiedlicheGründe.Vorallemstellenumfangreiche
Förderprogramme vermehrt Ansprüche an die Interdisziplinarität. Eine
zentrale Rolle spielt hierbei auch die Digitalisierung von Forschungs-
daten: Um nicht für jede Forschungsfrage die Untersuchungsobjekte
erneut digitalisieren zu müssen, sollten schon bei der Digitalisierung
weitere mögliche Zugänge auf die Daten mit in Betracht gezogen
werden, nicht nur diejenigen, die in einem konkreten Forschungsvor-
habenbenötigtwerden.UmdieWiederverwertbarkeitzugewährleisten,
sind Standardisierungen notwendig, welche die Ansprüche unter-
schiedlicher Fachbereiche berücksichtigen müssen und mithin nur
multidisziplinär erarbeitetwerdenkönnen.
JürgenHermes92
Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen?
Einwürfe und Provokationen
- Title
- Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen?
- Subtitle
- Einwürfe und Provokationen
- Authors
- Marko Demantowsky
- Gerhard Lauer
- Robin Schmidt
- Editor
- Bert te Wildt
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Location
- Oldenburg
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-11-067326-5
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 206
- Keywords
- Bildung, Schule, Technik, Universität, Digitalisierung
- Category
- Technik