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aufzubauen, wie Treppenstufen, die aufeinander folgen und die es zu
erklimmen gilt, umdenTempel einermöglichst breitenAllgemeinbil-
dung zu erreichen. In diesemBildungsverständnis sind dieRollen klar
verteilt, die Inhalte wohldosiert und der Ablauf und die Ergebnisse
festgelegt.Wer sichweiterhin andieser Ideeorientiert, kann aber junge
Menschen nicht dazu befähigen, Herausforderungen der Digitalen
TransformationzubewältigenunddieZukunftmündigundsouveränzu
gestalten. Die Komplexität globaler Probleme verlangt ein Lernen, das
ergebnisoffen ist, das diverse Zugänge für alle zu Informationen ge-
währleistet, das einenAustausch über Fächer, Altersgrenzen oder Insti-
tutionen hinweg ermöglicht und unterstützt. Ein Lernen, das junge
Menschen handlungsfähig macht, indem unter anderem ihre Selbst-
wirksamkeitserwartung erhöht undResilienz gestärkt wird. Es braucht
ein Bildungsverständnis, das auf einem demokratischen Fundament
aufbautundeineHaltung,dieMenschen schon in jungen JahrenalsTeil
derGesellschaftwertschätzt und sie an demokratischenProzessen parti-
zipieren lässt.Weshalbwerden kaumoder gar keine Lernenden gefragt
undamBrainstormingzuBildungsfragenoderanderEntwicklungneuer
Konzepte beteiligt?
Ein häufigerKonflikt beimUmgangmitAuswirkungen derTrans-
formationsprozesse ist imBildungsbereichdieVorstellungundHaltung,
alleswissen undkontrollieren zumüssen. Es darf kein Schritt gegangen
und keineEntscheidung getroffenwerden, ohne dass eineBegründung
vorliegt, die einen Gewinn oder eine Bereicherung erklärt. (Auch die
eigeneReputation liegt dabei stets unsichtbar in derWaagschale.)Nur
orientieren sich dieMaßstäbe derBegründungen gerne anZusammen-
hängenauseiner anderenZeitundWelt.Deshalb ist einVerständnisder
DigitalenTransformationnotwendig, indemeinKontrollverlustTeilder
Kultur ist und es nicht nur legitim ist, sondern auch dazugehört, etwas
nicht zu wissen. Kathrin Passig schilderte in der Klausur die aktuelle
Situation anHochschulen so, dass es ihrem Eindruck nach eine Angst
gäbe,Unfertiges,Unvollkommenes könne über dasNetz sichtbarwer-
den. Dabei kann gerade Transparenz von Prozessen eine bessere Zu-
sammenarbeit ermöglichen, indem z.B. Fehler durch einen gemeinsa-
menBlick von außen früher erkannt undkorrigiertwerdenkönnen.
DejanMihajlovic´122
Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen?
Einwürfe und Provokationen
- Title
- Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen?
- Subtitle
- Einwürfe und Provokationen
- Authors
- Marko Demantowsky
- Gerhard Lauer
- Robin Schmidt
- Editor
- Bert te Wildt
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Location
- Oldenburg
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-11-067326-5
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 206
- Keywords
- Bildung, Schule, Technik, Universität, Digitalisierung
- Category
- Technik