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inguterQualität abrufbar,weiterenur inAuszügenundvielemehr sind
gar nicht zugänglich.Weshalb ist das Projekt gescheitert?
DerWiderstand gegen dieVision
Im März 2009 initiierte der Heidelberger Literaturwissenschaftler
RolandReußdenHeidelbergerAppell.Dieser reagierteaufdas sogenannte
GoogleBookSettlement,einenVergleichsvorschlag,derGoogleermöglicht
hätte, Bücher auch gegen denWillen vonAutorinnen undAutoren zu
veröffentlichen. DerHeidelberger Appellwurde von Verlagen,Wissen-
schaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Autorinnen und Autoren
gestützt.Er steht fürdenWiderstandgegendasProjekt vonGoogleund
für dasBestehen auf europäischenNormendesUrheberrechts ein.
DieMotivehinterdemWiderstandgegendasGoogle-Books-Projekt
sind komplex. Grundsätzliche Skepsis gegenüber den digitalen Trans-
formationen und den großenDigitalunternehmenmischt sichmit feh-
lendemVerständnis für dieVisionhinter demProjekt unddemBestre-
ben, zentrale Aufgaben des Bibliothekswesens nicht an ein privates
Unternehmen zuübertragen.
DerWiderstandhatdasProjekt fürGoogleschwierigergemacht.Seit
2012hatdasUnternehmendieScan-Geschwindigkeitgesenkt, seit2017
das Projekt fast gänzlich eingestellt. Zwar sind gescannte Bücher wei-
terhinüberGoogleBooksverfügbar,dieVisioneineruniversalendigitalen
Bibliothek hat aber anBedeutung verloren, obwohl der Projektverlauf
gezeigt hat, dass sie technischwie rechtlichwohl umsetzbar wäre. Ein
Grund für die Schwierigkeiten dürfte auch sein, dass sichBibliotheken
gewandelt haben: In allenBibliotheken stehen heuteBuchscanner,mit
denenTextedigitalisiert undLeserinnenundLesernangebotenwerden.
B!cher digitalisieren
Bücher sindkeinedigitalenTexte.Was imNetzpubliziertwird, lässt
sich nicht gleichwertig ausdrucken, was gedruckt vorliegt, nicht
gleichwertigdigitalisieren.DasisteinetrivialeEinsicht,dieaberaucheine
weitere Erklärung dafür bereithält, weshalbGoogle Books kein Leucht-
turmprojekt ist, sondern ein Steinbruch: Funktionierende digitaleRes-
sourcenwie dasDigitaleWçrterbuch der deutschen SpracheDWDS sind so
konzipiert, dass sie als digitale Texte interaktiv funktionieren. Das tun
digitalisierteBüchernicht.Aus ihnenentstehen,wieHannaEngelmeier
(2017) gezeigt hat, neueTexte, diedann abernebendigitalenAusgaben
stehen.Anders formuliert:Neuerscheinungenwerdenheute alsE-Book
publiziert, also als digitaleTexte, die für die entsprechendenLesegeräte
Waswir vonGoogleBooks über dieZukunft derHochschulen lernenkönnen157
Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen?
Einwürfe und Provokationen
- Title
- Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen?
- Subtitle
- Einwürfe und Provokationen
- Authors
- Marko Demantowsky
- Gerhard Lauer
- Robin Schmidt
- Editor
- Bert te Wildt
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Location
- Oldenburg
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-11-067326-5
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 206
- Keywords
- Bildung, Schule, Technik, Universität, Digitalisierung
- Category
- Technik