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Nach erfolgreichemStudium inklusiveAbschlusses eines PhD in einem
naturwissenschaftlichen Fach an einer amerikanischen Eliteuniversität,
wäre eine wissenschaftliche Karriere in dem Fachbereich seines Groß-
vaters undVaters durchaus denkbar gewesen.Und auchmit einer Pro-
fessurhätteesmöglicherweiseüberkurzoder langgeklappt.Damithätte
er die Familientradition fortgesetzt.
Doch es kam anders. Schon während der Anfänge seiner Zeit als
PhD-Student beschlichen ihnZweifel, obdas aktuelleHochschulwesen
indenUSAihmdas intensiveAusleben seines starkenForschungsdrangs
ermöglichenwürde. Zu diesemZeitpunkt hatte er bereits Zuviel gese-
hen.AlsProblemfelder identifizierter inunseremGesprächaufdereinen
Seite die hohe administrative Belastung und auf der anderen Seite feh-
lende finanzielle Ressourcen im Hochschulwesen. Letztere würde er
dringend benötigen, um seine Ideen umsetzen zu können. Darüber
hinausgehendnenntmeinGesprächspartner dieLehrverpflichtungen an
derUniversitätunddiversepolitischeScharmützel alsHinderungsgrund,
die er hätte ausstehen müssen, um in der Karriereleiter innerhalb von
Academia nachoben steigen zukönnen.
Zeitgleich mit dem erfolgreichen Abschluss seines PhD-Studiums
kamdasAngebotvoneinemUnternehmenimSiliconValley,fürwelches
er nun arbeitet.DasUnternehmenkammit einemgroßenKoffer voller
Geld.Unddies inmehrfacherHinsicht: Für ihnpersönlichwar ein sehr
üppiges Gehalt vorgesehen, und vielleicht für ihn noch wichtiger,
wurden genügendRessourcen für seine Forschung inAussicht gestellt.
Antragswesen ade und mit Vollgas Richtung Forschung. Mein Ge-
sprächspartner wirkt sehr zufrieden auf mich. Er scheint sich richtig
entschiedenzuhaben,denndieVersprechungendesUnternehmens sind
offenbar eingehaltenworden.
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Hätte ich ein solchesAngebot damals in einer ähnlichen Situation auch
angenommen?IchkanndieseFragenichteindeutigbeantworten,haltees
aber nicht für abwegig. Besonders inDeutschland empfand ichmeinen
Karriereweg auf eine Professur als steinig und von großerUnsicherheit
geprägt. Damit stehe ich sicherlich nicht allein dar. Ichwürde sogar so
weit gehen zu behaupten, dass (fast) jede Akademikerin oder jeder
Akademikermit denWidrigkeiten des deutschen Systems kämpft. Ein
besonderesProblemstellt indiesemKontext sicherlich fürdenMittelbau
ChristianMontag166
Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen?
Einwürfe und Provokationen
- Title
- Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen?
- Subtitle
- Einwürfe und Provokationen
- Authors
- Marko Demantowsky
- Gerhard Lauer
- Robin Schmidt
- Editor
- Bert te Wildt
- Publisher
- De Gruyter Open Ltd
- Location
- Oldenburg
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-11-067326-5
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 206
- Keywords
- Bildung, Schule, Technik, Universität, Digitalisierung
- Category
- Technik