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Dinge – Nutzer – Netze - Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
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342 | Dinge – Nutzer – Netze neun Kacheln auf diverse Unterbereiche der Ausstellung zugreifen: so z.B. auf Bio- graphisches zur Person Cronenberg, Einflüsse von Wissenschaft und Medizin auf die Bildersprache seiner body horror-Filme, eine ›interaktive Zeitleiste‹ (deren Interak- tivität sich darauf beschränkt, dass der Nutzer durch sie hindurchscrollen und gele- gentlich Felder anklicken darf, die Video- oder Audio-Schnipsel abspielen), ›Hinter- den-Kulissen‹-Videomaterial, Filmrequisiten, usw.57 Schnell stellt sich jedoch her- aus, dass die sich hinter diesen Kacheln verbergenden Inhalte tatsächlich überwie- gend die Form filmwissenschaftlicher Traktate (inklusive Zitationsapparat) anneh- men, die mit Video-, Audio-, und Bildmaterial illustriert sind, dem Nutzer aber nicht erlauben, dieses Material außerhalb ihrer linearen Textstruktur zu erkunden. In wie- weit es hier noch Sinn macht, überhaupt den Museums- oder Ausstellungsbegriff zu bemühen, ist trefflich streitbar. Am musealsten erscheinen noch die stellenweise in die Texte eingefügten Filmrequisiten, die in hochauflösenden 360°-Fotografien auf- genommen wurden und per Mausklick entlang der Längsachse rotiert werden kön- nen. Hierzu gehören u.a. der Accumicon-Helm aus Videodrome (1983) und die orga- nische Spielkonsole aus eXistenZ (1999).58 Das VMC erscheint insgesamt als ein Mikrokosmos des Phänomens Muse- umsvirtualisierung schlechthin. Einerseits steht es im Zeichen großer Ziele digitali- sierter Kulturvermittlung, die auf Malraux und Benjamin ebenso zurückweisen wie auf die Vordenker der Hypertexttheorie: Es will sowohl verstreute Sammlungsbe- stände zusammenführen als auch Plattform für zahlreiche in sich geschlossene ima- ginäre Museumsprojekte sein, die in den Räumen der Mutterinstitutionen nicht zu realisieren wären – zumindest nicht, ohne das bestehende Ausstellungsgefüge zu op- fern, um die Objekte für ein neues freizustellen. Das ehrliche Verlangen, intermedial zu kuratieren – Text, Bild, Ton und Video miteinander zu verschränken und einander zuarbeiten, interaktive Elemente einfließen zu lassen – zieht sich sichtbar durch die verschiedenen Ausstellungen, auch wenn die Umsetzungen nicht immer geglückt scheinen. Das ganze Projekt ist ferner auf Prozesshaftigkeit und Skalierbarkeit aus- gerichtet, soll mit den Ideen der ausstellenden Häuser und ihrer Kuratoren wachsen und ein weit über die kanadische Öffentlichkeit hinausreichendes Publikum bedie- nen. Andererseits aber sammelt das VMC mit seinen Ausstellungen auch technische Irrwege, verfehlte Vermittlungsstrategien und Missverständnisse dessen, was mit dem WWW und dem Medium Hypertext eigentlich angezeigt und möglich wäre. Be- sonders auffällig ist dabei der Verzicht des VMC auf Verschaltung und Connected- ness der Sammlungen untereinander. Mit Recht darf man fragen, ob ein solcher über- haupt zu leisten wäre, ohne das Kernkonzept des Angebotes – nämlich eine Plattform 57 Vgl. http://cronenbergmuseum.tiff.net/accueil-home-eng.html vom 01.10.2015. 58 Vgl. http://cronenbergmuseum.tiff.net/artefacts-artifacts-eng.html vom 01.10.2015.
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Dinge – Nutzer – Netze Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Title
Dinge – Nutzer – Netze
Subtitle
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Author
Dennis Niewerth
Publisher
transcript Verlag
Date
2018
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-4232-6
Size
14.8 x 22.5 cm
Pages
428
Keywords
Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
Category
Medien
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