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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Elemente des politischen Romans verwenden, um die Fronten deutlich zu machen. Somit ist der Kalte Krieg in dieser Bearbeitung des Shakespear’schen Stoffes nicht nur eine Folie, vor der sich die Handlung vollzieht, sondern ein handlungsbe- stimmendes Element. Dors und Federmanns Roman zeigt also einerseits, wie mit dem Gerüst des Shakespeare-Stoffes die inhumane Dimension des Kalten Krieges gefasst werden kann, der nicht einmal elementare menschliche Beziehungen erlaubt. Anderer- seits verweist er aber auch auf eine Reihe konkreter Fälle, in denen eine blocküber- greifende Liebe Menschen gefährdet hat oder ihnen gar zum Verhängnis gewor- den ist. So gerieten etwa österreichische Frauen aufgrund ihrer Beziehungen zu Angehörigen der sowjetischen Besatzungsmacht ins Visier der sowjetischen Spi- onageabwehr, was in einigen Fällen sogar mit Hinrichtungen endete.27 Sie traf der Vorwurf, ihre persönlichen Kontakte im Auftrag westlicher Nachrichten- dienste zu nutzen, um den Rotarmisten Militär- und Staatsgeheimnisse zu ent- locken. Bei diesen Einschätzungen spielten nicht nur „traditionelle stalinistische Denkmodelle und Feindbilder“, sondern auch die „Realität des Kalten Krieges“28 eine Rolle. Der Verfolgungswahn des sowjetischen Regimes „nährte sich nicht zuletzt aus der Furcht vor den verderblichen Einflüssen, die aus dem Ausland in die Sowjetunion kamen“29 und steigerte sich mit Beginn des Kalten Krieges zu einer Phobie.30 Selbst der kommunistische österreichische Lyriker Hugo Huppert, der im Zweiten Weltkrieg als Propagandaoffizier in der Roten Armee gedient hatte und nach 1945 als Presseoffizier in Wien tätig war, wurde 1949 verhaftet und in einem Disziplinarverfahren schuldig gesprochen, weil er mit einer österreichischen Frau zusammengelebt hatte.31 Erst im April 1956 konnte er aus einer sechs Jahre währenden Verbannung nach Österreich zurückkehren. In den meisten Fällen waren die Spionagevorwürfe ohne jegliche Basis oder maßlos übertrieben, dennoch ließen sich manche der mit sowjetischen Soldaten liierten Frauen tatsächlich von westlichen Geheimdiensten rekrutierten. Der gebürtigen Wienerin Ingeborg Loucek, die vom amerikanischen Auslandsge- heimdienst CIC wegen ihres Verhältnisses zu einem sowjetischen Hauptmann als Agentin angeworben worden war, wurde dies zum Verhängnis: 1950 wurde sie verhaftet und im Jahr darauf wegen „Spionage“ und „Beihilfe zum Vater- 27 Vgl. Barbara Stelzl-Marx: Stalins Soldaten in Österreich. 28 Barbara Stelz-Marx: Verschleppt und erschossen. Eine Einführung. In: Stefan Karner, Barbara Stelzl-Marx (Hg.): Stalins letzte Opfer. Verschleppte und erschossene Österreicher in Moskau 1950–1953. Wien [u.a.]: Böhlau 2009, S.  21–79, hier S.  41. 29 Vgl. Jörg Baberowski: Der rote Terror. Die Geschichte des Stalinismus. München: dtv 2006, S.  248  f. 30 Subok, Plechakow: Der Kreml im Kalten Krieg, S. 161. 31 Vgl. Thomas Kroll: Kommunistische Intellektuelle in Westeuropa. Frankreich, Österreich, Ita- lien und Großbritannien im Vergleich (1945–1956). Köln [u.a.]: Böhlau 2009, S.  340. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 102 3 Romeo und Julia im Kalten Krieg
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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