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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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pitalisten und Kriegsverdiener durchgeführt worden war. […] Die Bevölkerung der DDR hat in den vergangenen fünf Jahren eine gewaltige Arbeit geleistet. […] Heute ist die DDR zu einem Industrieland von großer Leistungsfähigkeit gewor- den. […] Aber nicht nur die Erfolge in der Produktion sind es, die heute den Bürger der DDR mit Stolz erfüllen, es ist vor allem die Erkenntnis, daß er aus eigener Kraft ein neues Leben aufbaut, das reicher und besser ist als früher. […] Wer hier die Menschen bei ihrer Arbeit, die Jugend beim Lernen und Studieren sieht, der muß sich davon überzeugen, daß in diesem Teil Deutschlands der preu- ßische Ungeist ein für allemal ausgerottet wurde. […] Die Bevölkerung der DDR begeht ihren Staatsfeiertag in dem Bewußtsein, daß ihre Kräfte unüberwindlich sind, daß jetzt die Zeit gekommen ist, wo ihre harte und aufopferungsvolle Arbeit Früchte trägt. […] Sie [die DDR] weiß, daß sie in den Augen der Welt eben das andere Deutschland verkörpert, das mit aller Kraft dafür arbeitet und kämpft, daß das militärische und revanchelüsterne Deutschland Krupps und Kesselrings nicht noch einmal zum Würger der europäischen Völker wird.43 Als zentrales Symbol für die Teilung der Stadt baut Kain zu Beginn seiner Erzäh- lung die Bernauer Straße auf, die entlang der Bezirke Pankow und Wedding ver- läuft, und auf deren südlicher Seite sich die Sektorengrenze befand. Ab August 1961 führte hier auch ein Teil der Berliner Mauer entlang. Die Straße, mit ihrer Lage an den jeweiligen Grenzen der beiden Systeme, spiegelte auf engstem Raum den innerdeutschen Konflikt wider, der alle wesentlichen Gesamtberliner Vor- gänge nach Ausbruch des Kalten Krieges bestimmte.44 Kains Erzählung verbin- det Alltägliches, z.B. das Einkaufen von Lebensmitteln oder den Beruf mit den Konstellationen des Kalten Krieges, ohne dass dieser jemals beim Namen genannt wird. Die der Erzählung inhärente Bipolarität wirkt sich vielgestaltig auf die Pro- tagonistinnen und Protagonisten aus, etwa in Form der unterschiedlichen Lebens- weisen, die im Grenzraum an der Bernauer Straße, an dem die Systeme einander gegenüberstehen, von Kain gestaltet werden. Am Ende der Erzählung wird dann aber eine Überwindung des Systemkonflikts durch das jugendliche Liebespaar angedeutet – freilich auf ideologisch einseitige Weise. Zunächst etabliert ein auktorialer Erzähler die Ausgangssituation durch die genaue Beschreibung des physischen Verlaufs der Grenze und schildert die Aus- wirkungen des jeweiligen Systems auf die Bewohnerinnen und Bewohner der einen und der gegenüberliegenden Seite: 43 Franz Kain: Fünf Jahre DDR. In: Neue Zeit, 7.10.1954. 44 Vgl. Frank Roggenbuch: Das Berliner Grenzgängerproblem. Verflechtung und Systemkonkur- renz vor dem Mauerbau. Berlin, New York: de Gruyter 2008. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 106 3 Romeo und Julia im Kalten Krieg
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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