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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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geheiratet hat, um eine gemeinsame Ausreise in die BRD zu ermöglichen, ruft sein Schwiegervater die Polizei, von der Karl daraufhin als „Republikflüchtling“ erschossen wird. Ebenso wie in Kains Text sind es auch hier die Väter, die sich aufgrund ihrer ideologischen Positionen einander nicht annähern können. Karl glaubt zunächst noch an eine rasche Überwindung des Konflikts zwischen den verfeindeten Vätern, wenn diese durch eine Heirat erst einmal vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Der Ausgang des Dramas bleibt dennoch tragisch. Während die Grenze in den bisher dargestellten Variationen des Romeo- und-Julia-Stoffs zwar als ideologische Trennlinie, aber nicht als Bedrohung vor- handen ist (vgl. Kapitel  1 Die Grenze), wird das Element der räumlichen Tren- nung zwischen den Liebespaaren mit dem Mauerbau in Texten west- und ostdeutscher Autorinnen und Autoren zu einem zentralen Moment der blocküberschreitenden Liebesgeschichten. Christa Wolfs Roman Der geteilte Himmel (1963), der sich dem ideologischen System der DDR gegenüber loyal verhält, aber dennoch Kritik an der Mauer übt, stellt die Geschichte eines Lie- bespaares, Rita Seidel und Manfred Herrfurth, kurz vor dem Bau der Berliner Mauer in den Mittelpunkt. Der Chemiker Manfred flüchtet nach Westberlin, wo Rita ihn aufsucht, jedoch wenige Tage vor dem 13.  August 1961 aus Treue zu ihrer Heimat in die DDR zurückkehrt. Die Studentin Rita stellt ihr Klassen- bewusstsein über ihr persönliches Glück, dennoch überfordert die Entschei- dung gegen den Geliebten die junge Frau und sie bricht in den letzten August- tagen zusammen.57 Auch Uwe Johnson hat in seinem vierten Roman Zwei Ansichten (1965) das Motiv des durch die Mauer getrennten Liebespaares aufgenommen. Der Text spielt im Jahr 1961, in den Monaten vor und nach dem 13.  August und fängt die Atmosphäre der geteilten Stadt und des geteilten Deutschland ein. Hier trennt die Mauer den Fotografen B. von der Krankenschwester D., die seit einigen Monaten eine Liebesbeziehung unterhalten. D. erlebt den 13.  August: Am nächsten Morgen erklärten die ostdeutschen Sender die Grenzen Westberlins für gesichert, und die Rundfunksender der verbotenen Stadt übersetzten: daß ihr Gebiet gesperrt war für alle gewöhnlichen Leute aus Ostberlin und Ostdeutsch- land, ob einer dort einkaufen wollte oder Freunde besuchen, ins Kino gehen oder in das Lager für Flüchtlinge und durch die Luft kommen nach Westdeutschland in die offene Welt und eine andere Art zu leben. […] Sie hatte unter diesem Staat gelebt wie in einem eigenen Land, zu Hause, im Vertrauen auf offene Zukunft und das Recht, das andere Land zu wählen. Eingesperrt in diesem, fühlte sie sich hin- tergangen, getäuscht, belogen; das Gefühl war ähnlich dem über eine Kränkung, 57 Vgl. Liebermann: Die Berliner Mauer in der deutschen Literatur, S. 199–328. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 114 3 Romeo und Julia im Kalten Krieg
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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