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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Page - 118 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

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(SF 30) Auf Alexejs Frage, ob sie in der Partei wäre, antwortet Simone: „Ich sym- pathisiere. Und ich habe voriges Jahr ein Geburtstagstelegramm an Stalin unter- zeichnet.“ (SF 30) Darüber hinaus lügt sie ihm vor, sie habe einen Cousin, der als deutscher Doppelagent für den Maquis gearbeitet habe und sie bedrohe. Auch bei André und Bernard biedert sich Simone an, indem sie vorgibt, die jeweiligen Vorzüge ihrer Länder zu schätzen. Am nächsten Tag eskaliert die Situation zwischen den vier Chauffeuren, ins- besondere aber zwischen Clam und Alexej. Im Zuge eines „Round-Table-Ge- sprächs“ zwischen vier Chauffeuren, da „jeder von uns – wie soll ich sagen – an ihr – interessiert“ ist, wie Bernard konstatiert und es „keine vier Simones, son- dern nur eine“ gibt, wird sogar eine – wohl nicht ganz ernst gemeinte – Zerle- gung derselben in „Interessenspären [sic!]“ (SF 71) überlegt, wobei Clams Fra- ge, ob diese nach „ästhetischen oder physiologischen Gesichtspunkten“ (ebd.), – was einer Allegorie auf die durch die Alliierten besetzten Städte und Länder nach 1945 gleichkommt –, zu erfolgen hätte, von Bernard mit Verachtung gestraft wird. Auch an der Institution Ehe innerhalb der miteinander rivalisierenden Systeme macht der Grad der Verachtung zwischen dem Russen und Amerikaner keinen Halt: Alexej (lacht höhnisch): Ehe, made in U.S.A. Das kennen wir. Scheidung voraus- bestellt. Da ist Liebe im Stundenhotel ehrlicher und dauerhafter! Clam: Dirty swine!? Alexej: Ich riskiere einen Konflikt mit meinen Parteiinstanzen – aber ich werde Simone nach Russland mitnehmen. Clam: Und wenn du sie satt hast, lässt du sie ausweisen, wegen mangelnder Treue zum Fünfjahrplan [sic!]. Alexej: Durak! Clam: (greift nach der Pistole) Was heisst das? Alexej: Dirty swine! (SF 73  f.) Als Clam und Alexej die Causa Simone, die ebenso unteilbar ist „[w]ie der Frie- de“ (SF 75) mit Waffengewalt lösen wollen, schreitet André beschwichtigend ein. Simone dagegen zeigt plötzlich kein Interesse mehr an den Vertretern der vier Großmächte. Sie will abreisen, da sie angeblich ein Mann in ihrem Zimmer über- fallen und sich an ihr vergangen hat, woraufhin alle vier empört sind: „Die Vier: (wild durcheinander rufend) Der Schuft! Wer? Der Hooligan? Gott verdamm mich! Wer? Wer?“ (SF 78) Bedingt durch die Dunkelheit in ihrem Zimmer kann Simone jedoch über die Identität des Täters keine Auskunft geben, worauf die Vier in gegenseitige Verdächtigungen ausbrechen und wieder gegeneinander aufgebracht werden. Es entbrennt Streit, Clam und Alexej beweisen sich im Faus- tkampf, der jedoch durch die Stimmen der Delegierten über die Sprechanlage Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 118 3 Romeo und Julia im Kalten Krieg
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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