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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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konstruiert haben, sind ihre sowjetischen Konterparts aufgrund ausgedehnter Spionage in der Lage, einen ebensolchen, allerdings weiblichen Maschinenmen- schen namens Natascha zu erschaffen. Mittels ihrer Spionagenetzwerke erfahren die jeweiligen Geheimdienste natürlich von den Plänen ihrer Konkurrenten und setzen die Wissenschaftler hinsichtlich der Perfektionierung der Maschinen unter Druck. So äußert sich der sowjetische Wissenschaftler Schachajew folgen- dermaßen über den durch die Systemkonkurrenz entstehenden Druck: „[…] wenn es uns nicht gelingt, durch neue Ideen unsere amerikanischen Konkurren- ten zu übertrumpfen, werden wir auf der Weltausstellung mitsamt unserer ‚Nata- scha‘ von allen Besuchern ausgelacht.“ (ZR 70) Die amerikanischen Wissenschaft- ler tragen sich mit ähnlichen Befürchtungen. Als die Sabotage am Robotermodell des jeweils anderen Systems fehlschlägt, beschließen die Wissenschaftler William und Natascha dennoch auf der Weltausstellung, zu der zehntausende Besucher kommen, „um die vielfältigen Wunder zu bestaunen, die der Menschen Geist und Fleiß geschaffen hatten“ (ZR 108), zu präsentieren. Um eine Begegnung sowie eine Kommunikation zwischen den beiden unmöglich zu machen, werden sie in weit voneinander entfernten Pavillons untergebracht. Als die beiden jedoch, durch den amerikanischen Reporter Binkley von der „Chicago News“, von der Existenz des jeweils anderen erfahren, möchten sie sich, da sie die einzigen ihrer Art sind, treffen und in einem Gespräch austauschen. William wird von seinem Schöpfer, dem Wissenschaftler Hyde davon abge- halten, den Pavillon zu verlassen, was dieser als „freier amerikanischer Roboter“ als „Freiheitsberaubung“ empfindet. Durch einen sowjetischen Reporter von der östlichen Propaganda „infiziert“, will er seinen Fall vor die Vereinten Nationen bringen (vgl. ZR 112) und tritt in Generalstreik. Auch Natascha, die als eine Sowjetbürgerin in nationaler Tracht präsentiert wird, fällt den Verlockungen des Westens anheim, als sie von einem amerikanischen Reporter in modischer Hin- sicht kritisiert wird, der meint, man hätte sie „vorher nach Hollywood schicken sollen, dort hätte man ein piekfeines Texasgirl aus Ihnen gemacht“ (ZR 118). Als Natascha erfährt, dass William ihretwegen in Streik getreten ist, folgt sie seinem Beispiel. Die „Chicago News“ bringt die Schlagzeile „Erschütterndes Liebesdra- ma zwischen den Robotern William und Natascha! William streikt! Natascha droht mit Selbstmord!“ (ZR 140), was nicht von ungefähr an Romeo und Julia erinnert. In einer eigens für sie eingerichteten Sperrzone können die beiden Roboter schließlich aufeinandertreffen. Das Treffen findet unter größtem Aufwand, mit den Augen der Welt auf sie gerichtet, statt und der Dialog zwischen William und Natascha steht unter dem Zeichen der Annäherung und Aussöhnung. Der schwe- lende Systemkonflikt, dessen „Frucht“ beide sind, erscheint William und Nata- scha durch ihr überlegenes rationales Denken als unnötig. William gesteht: „Sie sind der schönste Automat, den es gibt, Fräulein Nata- Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 122 3 Romeo und Julia im Kalten Krieg
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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