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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Page - 145 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

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Ebenso wie Torberg setzt auch Manès Sperber in Wie eine Träne im Ozean ein Gleichheitszeichen zwischen Nationalsozialismus und Stalinismus. Die Figu- ren seiner Romantrilogie, die sich im Jahrzehnt von 1934 bis 1944 bewegen und zwischen Berlin, Wien, Prag, Moskau, Warschau und Paris das Scheitern der kommunistischen Utopie erleben, sprechen die Ähnlichkeit zwischen den Sys- temen offen aus. Als etwa eine der Figuren, ein nach Moskau exilierter deutscher Kommunistenführer gefoltert wird, wirft er seinen Peinigern vor, „der gleiche Feind [zu sein], den ich kenne, seitdem ich in der Bewegung bin“ und meint, der Mord an ihm wäre vergleichbar mit dem durch Vorläufer des preußischen Frei- korps an der Pazifistin und sozialistisch-marxistischen Theoretikerin Rosa Lux- emburg.38 Torberg nähert sich in Die zweite Begegnung der Gleichsetzung von „Rot“ und „Braun“ auf mehreren Ebenen. Martin ist der deutsch-sowjetische Nichtangriff- spakt von 1939, der als sogenannter Hitler-Stalin-Pakt in die Geschichte einging, ein politischer Dorn im Auge, der ihn jedoch in seinen Reflexionen nicht grund- legend zu überraschen scheint. Stalin, den Martin als Mitkämpfer gegen den Faschismus akzeptiert hat, hätte nun einen „schweißig-blutigen Händedruck […] mit seinem [Stalins] Todfeind“ (ZB 72) ausgetauscht und dadurch seine Ideale verraten. Was Martin jedoch an Stalins Position interessiert, „ist wieder einmal etwas Nebensächliches“, nämlich die Dummheit und Verlogenheit der Vorwürfe, die jetzt von allen Seiten über Stalin hereinbrechen und die ihn der ‚Inkonsequenz‘ oder gar des ‚Verrats‘ be- zichtigen. Welche ‚Konsequenz‘ hatte man denn von ihm zu erwarten? Doch nur die eine: daß er immer das tun wird, was ihm im Augenblick gerade nützlich erscheint. Und wen oder was hätte er denn ‚verraten‘? Die kapitalistischen Westmächte? De- nen hat er doch oft und deutlich genug gesagt, daß er Demokratie und Faschismus nur als verschiedene (und nicht einmal als sehr verschiedene) Äußerungsformen der von ihm bekämpften Gesellschaftsordnung ansieht. Seine eigenen Ideale? Für einen Verrat an seinen eigenen Idealen, falls er welche hat, wäre er doch ganz gewiß nicht dem Kapitalismus verantwortlich. (ZB 72) Martin ist der Meinung, dass man sich die politische Position im Kampf gegen den Faschismus nicht von Stalin vorschreiben lassen dürfe, sonst wäre man ver- loren: „Man wäre denn ein Kommunist. Dann ist man zwar auch verloren, aber dann ist man’s wenigstens mit Absicht.“ (ZB 73) Zu einer ähnlichen Einsicht war der österreichisch-ungarische Schriftsteller Arthur Koestler gelangt, der 1931 in die KP eingetreten war, jedoch bereits im Frühjahr 1938, im Lichte der Mos- kauer Schauprozesse, wieder austrat. Ausschlaggebend für seine Entscheidung 38 Manès Sperber: Wie eine Träne im Ozean. Wien: Europa-Verl. 1976, S. 396  f. Darstellungsformen des Totalitarismus 145
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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