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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Page - 147 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

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wollte die Kommunisten nicht einmal im Kampf gegen die Ex-Nazis unterstüt- zen: Ich halte nichts von einem Antinazismus, der nicht unzweifelhaft auch als Anti- kommunismus spürbar wird. Ich halte nichts davon, die Nazi so zu bekämpfen, dass sich die Kommunisten darüber freuen (und vice versa). Man muss sich’s im- mer gleichzeitig mit beiden Spielarten der totalitären Pest verderben, sonst taugt die ganze Kämpfer-Attitüde nichts.43 Ein Kennzeichen der totalitären Diktatur erkennt Torberg auch in der „proleta- rischen Wachsamkeit“, d.h. im Denunziantentum, das bereits der sowjetische Agent Walter Kriwitzki, der zum Westen überlief und 1941 unter rätselhaften Umständen in Washington ums Leben kam, in I was Stalin’s Agent (1940, deutsch im selben Jahr unter dem Titel Ich war in Stalins Dienst im Amsterdamer Verlag Allert de Lange) direkt auf Stalin zurückführt.44 Martin fühlt sich, sobald er sich aus seinem Versteck wagt, beobachtet und wittert überall Denunzianten: Das sind überhaupt die Gefährlichsten: denen plötzlich etwas auffällt und die sich auch schon darum zu kümmern beginnen – aus purer Wichtigtuerei, oder, in Zei- ten wie diesen, auch noch aus Servilität, aus Angst, aus der Hoffnung auf Lohn oder Ehre, aus schäbigen oder Gott behüte sogar aus ehrlichen Motiven. In Zeiten wie diesen wimmelt es von freiwilligen Geheimpolizisten. Jeder ist geeignet und jeder ist willkommen. (ZB 250) Dass im totalitären System Denunziation freiwillig geübt wird und Spitzeltätig- keit ohne Bezahlung als Pflicht des Bürgers gilt, hat auch Hannah Arendt her- vorgehoben. Dies sei zwar genuin nichts Neues, trete jedoch nun „total“ orga- nisiert auf. Wie Arendt betont, ist in einer Sphäre, in der „wissentlich oder unwissentlich jeder jeden bespitzelt, jeder sich als Agent herausstellen kann, jeder sich ständig bedroht fühlen muß […] jedes gesprochene Wort zweideutig“ und könne „hinterher nach Bedarf ausgelegt werden“.45 Die Säuberungen in Form von „täglichen Verhaftungen“, die „kein System erkennen ließen“ (ZB 129), muss Martin ebenso zur Kenntnis nehmen wie die Gleichschaltung der Medien, die nach dem Putsch erfolgt. Martin, der für die 43 Brief von Friedrich Torberg an Robert Neumann, 15.2.1961, zit. n. Marcel Atze: „Einen, der Unfassbares verübt, kann man nicht fassen.“ Friedrich Torberg und die justizielle Aufarbeitung nationalsozialistischer Gewaltverbrechen. In: Ders., Patka (Hg.): Die „Gefahren der Vielseitig- keit“, S.  181–200, hier S.  192. 44 Vgl. Antony Beevor: Der Spanische Bürgerkrieg. München: Goldmann 2008, S.  201. 45 Hannah Arendt: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft. Von der Verfasserin übertragene und neubearbeitete Ausgabe. Frankfurt/M.: Europäische Verlagsanstalt 1958, S.  633. Darstellungsformen des Totalitarismus 147
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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