Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Page - 163 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 163 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

Image of the Page - 163 -

Image of the Page - 163 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

Text of the Page - 163 -

Der Konformismus hinsichtlich eines einzigen „wahren“ und „richtigen“ Sys- tems schlug aber während des Kalten Krieges auch in das andere ideologische Extrem um, wie Hilde Spiel berichtet, die die „Versuchung des Intellektuellen“ durch den Antikommunismus auf dem ersten „Kongress für kulturelle Freiheit“ in Berlin beschreibt und unterstreicht, dass es „damals und jahrelang schwer“ war, „sich der Militanz dieser Anti-Kommunisten und häufig Ex-Kommunisten zu versagen“,81 ohne in den Verdacht zu geraten, mit Stalin zu sympathisieren. Die Verführbarkeit des Intellektuellen Die Verführbarkeit des Intellektuellen durch den Kommunismus ist ein wesent- licher Punkt in Martin Dubs Kritik. Er spricht wörtlich von den „Lockunge[n]“ (ZB 86) dieser Ideologie. Die mit einer Selbsttäuschung einhergehende Aner- kennung des Kommunismus ginge „in der Tat bis zur Selbstauslöschung“ und seine Anziehungskraft erklärt sich Dub – nicht ohne Sarkasmus – damit, dass die Intellektuellen „darin die edelste Form des Selbstmords“ (ZB 91) erblicken würden. Für Dub ist die Verbindung des Intellektuellen mit dem Kommunismus „ein Widerspruch in sich“, den der Intellektuelle, der ständig alles in Frage stellt, erkennen müsse. Zuletzt bliebe es dem Intellektuellen daher nur übrig „entwe- der sich selbst oder den Kommunismus auf[zu]geben“ (ebd.). Der Intellektuelle ziehe jedoch, wie Dub resümiert, schlussendlich die Selbstaufgabe vor: „Das heißt: daß sein Intellekt vom Kommunismus absorbiert wird, genau im gleichen Maß, in dem er selbst den Kommunismus zu absorbieren meint.“ (ebd.) Als prototypische Figur des Intellektuellen, der sich dem totalitären System unterwirft, tritt Dub sein Jugendfreund Jan Dvorsky als ideologische Nemesis entgegen. Dvorsky, der von der sozialdemokratischen Partei zum Kommunis- mus konvertiert ist, ist ein verführter Intellektueller, der über seinen Beitritt zur Kommunistischen Partei und die damit einhergehende Selbstaufgabe erklärt: Es genügt nicht, daß du dich einfach auslöscht. Du mußt dich so auslöschen, wie die Partei es braucht. Du kannst überhaupt nur dadurch existieren, daß du dich so auslöscht, so und nicht anders. Vollkommen. So, daß nichts von dir übrigbleibt. Nichts, nichts, nichts. (ZB 291) Mit der Figur des Jan Dvorsky, der Dub mit allen Mitteln zum Eintritt in die KP bewegen will, zeigt Torberg eine „groteske Situation“ auf, nämlich den Funkti- onär, der durch einen politischen Flüchtling bestätigt werden will, „eine Szene, 81 Hilde Spiel: Welche Welt ist meine Welt? Erinnerungen 1946–1989. München, Leipzig: List Verl. 1990, S.  124. Der Intellektuelle und der Totalitarismus 163
back to the  book Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur"
Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Diskurse des Kalten Krieges