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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Page - 172 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

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rend des Zweiten Weltkriegs im Widerstand tätig gewesen war und nun als Par- teikurier dient, in einer Propagandaschlacht des Kalten Krieges als Spion der Amerikaner dargestellt wird. Schindler verdächtigt Heller, der „Lieferant dieses famosen Materials“ (HL 479) über Wolf gewesen zu sein, das schlussendlich zu dessen Tod führt. Schindler, der den Weg des Dissidenten geht und in die BRD flüchtet, beobachtet die Karriere Hellers mit Verbitterung, der trotz aller Intri- gen und Lügen „sakrosankt“ (HL 504) bleibt. Elemente des Totalitarismus jenseits der staatlichen Diktatur In einem offenen Brief an Albert Paris Gütersloh unterstreicht Herbert Eisen- reich, dass es eine Selbsttäuschung sei, den Totalitarismus „nur in der bolsche- wistischen und der faschistischen Ausprägung wahrnehmen und wahrhaben zu wollen“: Der Zugriff abstrakter, anonymer Mächte (des Staates, des Kollektivs, der Mehr- heit, der Interessensgruppen etc.) an die Gurgel des Individuums ist in unseren scheinbar gemäßigten Zonen weitaus gefährlicher als in den reinen Diktaturen, weil er hier mit dem frommen Augenaufschlag des Demokraten getätigt wird und daher sakrosankt ist. Man geht kaum fehl in der Befürchtung, daß beispielsweise die Zwangs-Krankenkassen in naher Zukunft schon eben so viele Tötungen be- gangen haben wie die Gestapo oder GPU; denn nicht der Genickschuß, sondern auch der Amtsweg, wenn er nur mit genügend Fußangeln gepflastert ist, befördert den Menschen vom Leben in den Tod.100 Eisenreichs Aussage erscheint in diesem Kontext als eine Einebnung der politi- schen Systeme, wenn er soziale Leistungen des Wohlfahrtsstaates mit den Mas- senmorden in totalitären Systemen vergleicht. So skurril Eisenreichs Ausfüh- rungen sich in dieser Hinsicht ausnehmen mögen, er war nicht der Einzige, der den Vergleich von Unterschieden und Gemeinsamkeiten zwischen Demokratie und totalitärer Diktatur wagte. Herbert Marcuse, der in der Studie Der eindi- mensionale Mensch mit dem Begriff des „autoritären Staates“ ebenfalls den Tota- litarismus impliziert, argumentiert, dass der demokratische Wohlfahrtsstaat eine Missgeburt zwischen organisiertem Kapitalismus und Sozialismus sei und die Industriegesellschaft hin zum Totalitären tendiere. Für Marcuse ist nicht nur die politische Gleichschaltung der Gesellschaft durch Terror totalitär, sondern auch die ökonomisch-technische Vereinheitlichung, die durch Manipulation von 100 Herbert Eisenreich: Offener Brief an A. P. Gütersloh (1957). In: Ders.: Reaktionen. Essays zur Literatur. Gütersloh: Mohn 1964, S.  253–260, hier S.  257. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 172 4 Totalitarismus: die innere Geschichte des Kalten Krieges
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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