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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Das totalitäre System in Dystopien österreichischer Schriftsteller Im Gegensatz zu Merz und Qualtinger gibt es auch Texte österreichischer Pro- venienz, die das dystopische Thema nicht als Satire, sondern in ernsthaftem bis düsterem Modus gestalten. Romane wie Erik Maria von Kuehnelt-Leddihns Moskau 1997 (1949) und Otto Basils Wenn das der Führer wüßte122 (1966) ent- werfen Szenarien totalitärer Staaten, die sich zunächst nur hinsichtlich ihrer ideologischen Positionen unterscheiden. Eines ist ihnen gemeinsam, nämlich die Diagnose, dass totalitäre Staaten nach der Weltherrschaft streben und alle anderen Staatsformen sowie die Menschheit selbst zu zerstören versuchen. Mos- kau 1997 folgt dabei einer „plumpe[n] Schwarz-Weiß-Technik, nach der im Westen nur die Freiheit und im Osten nur der Terror herrscht“.123 Einen ande- ren Weg, das totalitäre System von innen darzustellen, wählte hingegen Otto Basil in Form eines Alternativweltenromans, der das „Dritte Reich“ als Sieger aus dem Zweiten Weltkrieg hervorgehen lässt. Nach nur zwanzig Jahren seines Bestehens befindet es sich jedoch bereits in einem Zustand der Auflösung. In beiden dystopischen Romanen wird die Menschheit gemäß den Gesetzen der Biologie bzw. der Geschichte hergestellt, was Hannah Arendt als ein wesent- liches Merkmal totalitärer Systeme hervorgehoben hat.124 Während in Moskau 1997 versucht wird, einen „neuen Menschen“ mittels Labormethoden und Gen- technik zu erzeugen, der den Anforderungen der Ideologie entspricht, gehören die „Untermenschen“ im „Dritten Reich“ des Jahres 1966 bereits der Vergangen- heit an und der genormte „Herrenmensch“ regiert: „Die neue Gesellschaft wür- de nicht aus Menschen, aus Individuen, sondern aus Apparaten bestehen, aus sinnlos befehlenden und hirnlosen Befehlsempfängern.“ (FW 357) Die Romane von Basil und Kuehnelt-Leddihn verdeutlichen darüber hinaus, dass sich kein totalitäres Regimes „auf die Dauer halten könnte, ohne die gesamte Wirklichkeit der Erde zuverlässig zu kontrollieren und jede Faktizität innerhalb der Mensch- heit auszuschalten“.125 In beiden dystopischen Romanen erreichen die totalitären Systeme ihren absurden Höhe- und Endpunkt. Basil ist neben Randolph Rob- bans Wenn Deutschland gesiegt hätte (1951) und dem US-amerikanischen Scien- ce-Fiction-Autor Philipp K. Dick, dessen The Man in the High Castle 1962 erschien, einer der ersten, der einen Sieg der Nationalsozialisten im Zweiten 122 Otto Basil: Wenn das der Führer wüßte. Wien: Milena 2010 [Im Folgenden mit FW abgek.]. 123 Jost Hermand: „Was aber bleibet, ist allein das Ich!“ Die westdeutschen Romane des Antitota- litarismus 1947–1960. In: Bernd-Peter Lange, Anna Maria Stuby (Hg.): 1984. Berlin: Argu- ment-Verl. 1984, S.  103–120, hier S.  114. 124 Anson Rabinbach: Public Intellectuals and Totalitarianism: A Century’s Debate. In: Christian Fleck, Andreas Hess, E. Styna Lyon (Hg.): Intellectuals and their publics. Perspectives from the social sciences. Farnham [u.a.]: Ashgate 2009, S.  107–140, hier S.  108. 125 Arendt: Elemente und Ursprünge, S. 579. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 180 4 Totalitarismus: die innere Geschichte des Kalten Krieges
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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