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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Page - 190 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

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Zusammenhang von zeitgenössischer Religionsauffassung und Totalitarismus und erklärt sich von dem Umstand ‚fasziniert‘, dass die Kirche eine „Wandlung von der Inquisition zur letzten Zuflucht der persönlichen Freiheit“11 vollzogen habe. Nichtsdestotrotz erklärt er sich bereit, einen religiösen totalen Anspruch auf Definitionsmacht im Gegensatz zu einem politischen zu dulden: Wenn ich einem Gebiet totale Ansprüche zubillige, dann doch eher der Religion als der Politik. Hier gründet ja die Tatsache, daß Kirche und sozialistische Partei- politik nicht zusammenfinden. (Ein Burgfriede aber ist möglich.) Jede sozialisti- sche Partei, die vom Marxismus herkommt, tritt mit totalen Ansprüchen auf. Je marxistischer, umso totaler.12 Otto Mauer wiederum, Priester und Mitbegründer der Katholischen Aktion sowie Mitherausgeber der katholischen Zeitschrift Wort und Wahrheit,13 wehrt sich gegen den Totalitarismusvorwurf des antiklerikalen Westens an die Kirche, der sich im Titel seines Aufsatzes, Rom – ein schwarzes Moskau?, mani- festiert. Er postuliert einen grundlegenden Unterschied zwischen dem kirchli- chen Dogma und der politischen Ideologie. Das Dogma beziehe sich nicht auf die wechselnden Aspekte des Weltlichen, auf das geschichtlich Ver- änderliche, um es etwa verabsolutierend zu fixieren. Es ist Aussage über das Gott- verhältnis des Menschen und knüpft an jene Schichte des Menschen an, die, dem Ewigen zugewendet, selbst unveränderlich, in der Geschichte existiert [...]14 Mauer unterstreicht die Differenz zwischen religiösen und politischen Machtins- tanzen und grenzt mithin die Kirche gegen beide politischen Systeme des Kalten Krieges ab, die einer weltlichen, veränderlichen und nicht zuletzt an materiellen Werten interessierten Sphäre zugehören würden. Auch im Sozialhirtenbrief der österreichischen Bischöfe 1956 wird diese Abgrenzung der Kirche von beiden Systemen des Kalten Krieges, die von wirtschaftlichem Machtstreben und einem ‚ungeistigen‘ mechanischen Prinzip bestimmt seien, klar ausgesprochen: Bei dem Aufbau der modernen industriellen Arbeitswelt sind zwei Systeme her- vorgetreten, die eindeutig abzulehnen sind. Es sind dies der liberale Kapitalis- 11 Rudolf Henz: Fügung und Widerstand. Wien, Graz: Stiasny 1962, S. 356. 12 Ebd., S. 357. 13 Mauer leitete die Galerie St. Stephan, die moderne, abstrakte Kunst ausstellte, was von christ- lichen und in ÖVP-Kreisen nicht gern gesehen wurde und stattdessen den kulturpolitischen Intentionen des CIA entsprach. Vgl. Gerhard Habarta: Frühere Verhältnisse. Kunst in Wien nach ‚45. Wien: Der Apfel 1996, S.  208 und 308. Vgl. auch Kap.  12. 14 Otto Mauer: Rom – ein schwarzes Moskau? In: Forvm 1 (1954) H. 4, April, S. 15–16, hier S. 16. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 190 5 Materialismus versus Christentum
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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