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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Die Verurteilung des Kommunismus als atheistischer Materialismus findet sich in der Propagandarhetorik des Kalten Krieges immer wieder, so etwa auch beim US-Präsidenten Eisenhower.23 Der stimmgewaltigste Verfechter der Allianz von westlicher Welt und Christentum war aber wohl der amerikanische Prediger Billy Graham, der zum Kampf gegen den mit dem ‚Satan‘ verbündeten Kommu- nismus aufrief.24 Die Abwehr des Atheismus verstärkte sich durch die Logik des Kalten Krieges, wie Monique Scheer feststellt: „One of communism’s most sali- ent features was its self-proclaimed atheism; by inverse conclusion, to be anti-Communist (and therefore a ‚good American‘) was to be God-fearing.“25 In Deutschland – und ebenso in Österreich – war nach dem Zweiten Welt- krieg das Bedürfnis nach Sinngebung und einer verlässlichen Geschichtsdeutung besonders groß. Hinzu kam, dass die katholische Kirche den Ruf genoss, weni- ger als andere Institutionen für die nationalsozialistische Indoktrination anfällig gewesen zu sein.26 Sie bot zudem Deutungsmuster an, durch welche die Schre- cken des Zweiten Weltkrieges eingeordnet werden konnten: „the cult of Mary provided cultural resources for coping with war experience by providing inter- pretative schemes with which to make sense of political events that ultimately caused people to suffer greatly.”27 Der Krieg erschien als eine Sühne für die fort- schreitende Säkularisierung im Laufe der Moderne: „From the Catholic point of view in Germany after 1945, Nazism had been the logical extreme of a gene- rally anthropocentric trend that had begun with the Renaissance – or, at the latest, with the French Revolution.“28 Dieser anthropozentrische Trend sei verbunden gewesen mit einer Aufwer- tung der Empirie, der Materie und der ‚Naturkräfte‘ – bis hin zur Konzeption des Menschen als eines ‚Produzenten‘ oder ‚Motors‘ dieser Naturkräfte. Aus der christlichen Perspektive wird das Zeitalter der Produktionssteigerung mittels des ‚Motors Mensch‘ wegen seiner Vernachlässigung spiritueller, moralischer und ‚ewiger‘ Werte scharf verurteilt. Für diese Vernachlässigung stand die The- orie des wissenschaftlichen Materialismus, die 23 Vgl. Whitfield: The Culture of the Cold War, S. 90. 24 Vgl. ebd., S. 77–82. 25 Monique Scheer: Catholic Piety in the Early Cold War Years, or How the Virgin Mary Protec- ted the West from Communism. In: Annette Vowinckel, Marcus  M. Payk, Thomas Lindenber- ger (Hg.): Cold War Cultures. Perspectives on Eastern and Western European Societies. New York, Oxford: Berghahn 2012, S.  129–151, hier S.  129. 26 Ebd., S. 130. Dieses Bild bedingte, dass noch Rolf Hochhuths Drama Der Stellvertreter (1963) als provokante Darstellung der katholischen Kirche aufgenommen wurde. 27 Ebd., S. 133. 28 Ebd. Das Dreieck Kommunismus, Amerikanismus, Katholizismus 193
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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