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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Page - 194 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

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[…] zentral für die vielen utopischen gesellschaftlichen und politischen Ideologi- en des frühen 20.  Jahrhunderts [war]: Taylorismus, Bolschewismus und Faschis- mus. Obgleich in unterschiedlicher Weise, betrachteten alle diese Bewegungen den Arbeiter als eine Maschine, die der unendlichen Produktivität fähig ist und die, wenn sie in Besitz des wahren Bewußtseins ist, unempfindlich gegenüber Er- müdung ist. Diese Bewegungen begriffen den Körper sowohl als eine Produktiv- kraft als auch als ein politisches Instrument, dessen Kräfte wissenschaftlich ent- worfenen Organisationssystemen unterworfen [werden] können.29 In Anbetracht der Tatsache, dass sowohl in kapitalistischen als auch in kommu- nistischen Wirtschaftssystemen, sowohl in demokratischen als auch in diktato- rischen Regimen auf den wissenschaftlichen Materialismus zurückgegriffen wurde, wird die Bedeutung des katholischen Antimaterialismus im Nachkrieg- sösterreich verständlich: Er behauptete eine Gegenposition sowohl gegenüber dem nach 1945 diskreditierten Hitlerfaschismus als auch gegenüber dem vom Großteil der Österreicher abgelehnten Sowjetkommunismus, gleichzeitig aber auch eine kritische Distanzierung vom Gesellschaftsmodell der westlichen Besat- zungsmächte im Allgemeinen und der Amerikanisierung im Besonderen. Diese Kritik am US-Einfluss besonders durch Medien und Kulturgüter manifestiert sich nicht zuletzt in der übereinstimmenden Ablehnung sogenannter Schmutz-und-Schund-Literatur durch SPÖ, ÖVP und KPÖ.30 Angesichts dieser diskursiven Rahmenbedingungen überrascht es nicht, dass sich unter den literarischen Texten im Nachkriegsösterreich, die politische The- men aufgreifen, auffällig häufig solche finden, die mit christlich-katholischen Positionen operieren und in diesem Sinne irdisches Machtstreben, Atheismus, die Negation der individuellen Seele und das Primat materieller oder sinnlich erfahrbarer Werte kritisieren. Die Inkommensurabilität von ‚Mensch‘ und ‚See- le‘ wird dabei gegen die moderne Technik ausgespielt, mit der beide Kal- ten-Kriegs-Mächte sich hervortaten. Dehumanisierung als Entfremdung im Marx’schen Sinn wird aber auch von sozialistischen und kommunistischen Auto- rinnen und Autoren verurteilt. Diese unterschiedlichen Positionen innerhalb des Materialismusdiskurses, der in der österreichischen Literatur des Kalten Krieges eine zentrale Stellung einnimmt, sollen im Folgenden genauer darge- stellt werden. 29 Anson Rabinbach: Motor Mensch: Kraft, Ermüdung und die Ursprünge der Moderne. Aus dem Amerikanischen v. Erik Michael Vogt. Wien: Turia + Kant 2001, S.  12. 30 Vgl. Oliver Rathkolb: Die katholische Kirche und die politische Kultur der Zweiten Republik. In: Pia Janke (Hg.): Ritual. Macht. Blasphemie. Kunst und Katholizismus in Österreich seit 1945. Wien: Praesens 2010, S.  15–32, hier S.  20. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 194 5 Materialismus versus Christentum
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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