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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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VATER: (liest vor) ‚Optimisten sind Menschen, deren gesellschaftliches Verhalten auf dem bewußt gesteuerten Vergessen der eigenen strukturellen Persona beruht. [...] Von Geburt an begleitet den Optimsten die datenspeichernde Lochkarte. Sie weiß alles und der große Computer bestimmt jeden Schritt des Lebens. Habt Ver- trauen zu den Rechenzentren und Denkmaschinen, sie arbeiten für euch!‘ MUTTER: Und überlassen euch die kindischsten Handgriffe! Affen könnten das auch bald! (O 56) Die Angst vor der ‚Automatisierung‘ war im zeitgenössischen Diskurs verbrei- tet. Mit den ersten Lochkarten-Computern wurde eine Konkurrenz auch für geistig Arbeitende befürchtet.85 Im Tagebuch werden diese Entwicklungen wie- derholt diskutiert: Ist es angesichts des gewaltigen Fortschrittes, den die Automation mit sich bringt, nun berechtigt, von einer ‚Zweiten industriellen Revolution‘ zu sprechen, welche die Automation gemeinsam mit der Nutzbarmachung der Atomenergie bewirke?86 Aber auch in der Arbeiter-Zeitung wird die Ausgangssituation ähnlich beschrieben: Während der Mensch bisher die Maschinen steuerte, kontrollierte und betreute, wird durch die ‚Automation‘ die Maschine von elektrischen Hirnen, den Compu- tern, gelenkt. [...] Der Arbeitsvorgang wird auf Lochkarten und in graphischen Kurven vorgezeichnet und durch Meßinstrumente und Kontrollapparate über- prüft. [...] Wie werden erst Automatisierung und Atomkraft das Antlitz der Welt verändern?87 Unterschiede in der Bewertung dieser Entwicklungen korrespondieren mit poli- tischen Standpunkten. So zeigt sich in kommunistischen und sozialistischen Kreisen oft eine Betonung der positiven Aspekte technischen Fortschritts. In 85 Stefan Heym preist gemäß der sozialistischen Theorietradition den technisch-zivilisatorischen Fortschritt: „Die Maschinen durchbrachen die ‚organische Schranke‘ von Skelett und Musku- latur des Menschen. Jetzt durchbrechen wir die organische Schranke des Gehirns. Zugleich [...] durchbrechen wir wiederum die Grenzen, die der Kraft des Menschen gesetzt waren, indem wir die in den molekularen Prozessen enthaltenen Energiequellen weit hinter uns lassen und die enormen, unerhörten Kräfte anzapfen, die in den Kernen der Materie enthalten sind.“ Ste- fan Heym: Das Kosmische Zeitalter. In: Neue deutsche Literatur  7 (1959) H.  1, S.  72–101, hier S.  81. 86 W. Frank: Automation – Schreckgespenst oder Segen? In: Tagebuch 12 (1957) H. 4, April, S.  3  f. 87 Fritz Klenner: Der Stern ob Bethlehem. In: Arbeiter-Zeitung, 25.12.1955, S. 1  f. Materialismuskritik als dritte Position 215
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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