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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Page - 237 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

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Unterdrückung politischer Minderheiten sind die Vorstellungen, die untrennbar damit verbunden sind. Sibirien ist gleichsam der klassische Begriff für ‚Ort des Greuels‘ geworden.32 In Milo Dor und Reinhard Federmanns Thriller Internationale Zone schwebt einer der Protagonisten in Gefahr, von den sowjetischen Besatzungsbehörden in Österreich gefangen genommen zu werden. Was ihn dann erwartet, imagi- niert er folgendermaßen: Und eines Morgens würde er in einem trostlosen sibirischen Kaff erwachen, mit einem langen Bart und ausgehungertem Magen, und der feine doppelreihige Anzug würde zerrissen und verdreckt an seinen Knochen herunterhängen. Und dann würde er zur Arbeit geprügelt werden, eine Nummer unter Millionen, ge- quält von ewigem Hunger und endlosen Träumen von einer glänzenden Vergan- genheit, und das fünf Jahre lang, zehn Jahre, dreißig Jahre. Bis zum Tod. (IZ 167) Die kommunistischen Autorinnen und Autoren leugnen die Existenz der Lager auch in den literarischen Texten. In Auguste Lazars Sally Bleistift in Amerika33 ist klar, dass die Westmedien Lügen über die Sowjetunion verbreiten, „von Hun- gern und Totschießen und Prügeln und was weiß ich, was noch“ (SB 68) und es wird empfohlen, „nicht jeden Dreck“ zu glauben, „der in so einer Zeitung steht“. (SB 69). In Fischers Brücken von Breisau34 kritisiert ein CDU-Abgeordneter, dass hinter der humanistischen und friedensliebenden Fassade des Kommunismus immer der Abgrund „Sibirien“ verborgen sei, worauf ihn die junge Kommunis- tin Barbara verlacht und „Sibirien“ als Urlaubsziel empfiehlt: „Was soll man denn mit Ihnen in Sibirien anfangen? Fahren Sie einmal auf Urlaub hin, wenn Sie wollen […].“ (BB 35) Die Umdeutung der sibirischen Lager zum Urlaubsgebiet kann nur von einem kommunistischen Zielpublikum akzeptiert werden: als Lächerlichmachen der vermeintlichen westlichen Gräuelpropaganda. Außerhalb des starren Deutungsrahmens des orthodoxen Parteiglaubens erscheint eine derartige Interpretation als zynische Propagandalüge. Genau das führen Carl Merz und Helmut Qualtinger in ihrer kurzen Szenenfolge Fahrt ins Rote vor. Darin wird ein Redner, der ein kommunistisches Phantasieland namens „Demo- karpathien“ in den höchsten Tönen gelobt hat, von einem Zuhörer nach den Lagern gefragt. 32 Olga Dimitriewna: 18 Jahre Sowjetherrschaft. Erlebnisse und Erfahrungen einer Frau. Wien, Leipzig: Braumüller 1936, S.  14. 33 Auguste Lazar: Sally Bleistift in Amerika. Wien: Globus 1947 [im Folgenden abgek. SB]. 34 Ernst Fischer: Die Brücken von Breisau. Eine Komödie in drei Akten. [UA: 22.3.1952, Scala]. Wien: Globus 1952 [im Folgenden abgek. BB]. Schreckensszenario Sibirien 237
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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