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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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7 DAS GESPENST DES NATIONALSOZIALISMUS IM KALTEN KRIEG Die Nazis, das sind die anderen Die Frage ‚Wie hältst du’s mit den Nazis?‘ war schon in den 1930er-Jahren die aktuelle politische ‚Gretchenfrage‘, denn die Machtergreifung der Nationalso- zialisten führte zunehmend zu einem Bekenntniszwang für oder gegen dieses Lager. Mit dem Zweiten Weltkrieg verschärften sich die Frage der Positionie- rung bzw. Abgrenzung und die Etablierung eines bipolaren Schemas. Von der US-amerikanischen Außenpolitik, die zunächst im Nationalsozialismus „das Böse” schlechthin ortete, wurde diese Rolle nach 1945 auf die Sowjetunion über- tragen, die im Zweiten Weltkrieg noch als Verbündeter fungiert hatte: „Six years of struggle against Nazism [...] served to nourish an almost Manichean view of a world divided between good and evil, with the very fate of Christian civilisa- tion apparently at stake should the Allies lose.“1 War das feindliche Lager unter den Alliierten mit dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion und der Kriegs- erklärung an die USA 1941 klar als das nationalsozialistische definiert, wurde die Verortung desselben nach Kriegsende innerhalb der sich neu formierenden Konstellation der Siegermächte jedoch unsicher. Wie ein Gespenst galt der Nati- onalsozialismus einerseits als ‚tot‘, als besiegt und der Vergangenheit angehö- rend,2 blieb aber andererseits auf unterschiedlichen Ebenen der Gesellschaft und der kulturellen Praxis wirksam und virulent – so in der Zuschreibung von Naheverhältnissen, Parallelen und Kontinuitäten zwischen dem Nationalsozi- alismus und Akteuren, Gesellschaftsstrukturen und Handlungsschemata der Nachkriegszeit. „Das gemeinsame Band, das die gesellschaftspolitisch so unterschiedlichen Alliierten USA, Großbritannien und UdSSR zusammengehalten hatte, war der Kampf gegen den Faschismus gewesen, ‚der Wille den deutschen Militarismus 1 Ian Jones: The Clergy, the Cold War and the Mission of the Local Church; England, c. 1945–60. In: Kirby (Hg.): Religion and the Cold War, S.  188–199, hier S.  188  f. 2 Hans Weigel wirft etwa den Delegierten des Internationalen PEN-Clubs vor, Antifaschismus zuungunsten von Antikommunismus zu betreiben und begründet dies mit dem Hinweis auf die seiner Ansicht nach bereits erfolgte Vernichtung des Nationalsozialismus: „Sie [PEN-Club-De- legierte] aber wenden sich gegen Schatten und Phantome und übersehen die grausame Reali- tät“. Hans Weigel: In den Wind gesprochen. An die Delegierten des PEN-Kongresses! In: Bild-Telegraf, 11.6.1955, S.  9.
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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