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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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und Nationalsozialismus zu zerstören.‘“3 Als dieses Band riss, brachen nach und nach die Gräben zwischen den Alliierten auf, jedoch blieb ihnen immer noch gemeinsam, dass sie striktes Durchgreifen gegen die Überreste der nationalso- zialistischen Ideologie versprachen und anfangs auch mehr oder weniger kon- sequent Maßnahmen zur Entnazifizierung in Österreich und Deutschland ergrif- fen.4 In Österreich5 war seit April 1945 eine provisorische Regierung im Amt, der zunächst nur von Seiten der sowjetischen Besatzungsmacht, ab Februar 1946 auch von Seiten der Westalliierten, die Aufgabe der Entnazifizierung übertragen wurde.6 Auch die österreichischen politischen Parteien der unmittelbaren Nach- kriegszeit verband, dass sie „einander – zumindest prinzipiell – als antifaschis- tisch anerkannten, [und] das Österreichertum als Gegenpol zum Nationalsozi- alismus betonten“.7 Dass die beiden führenden Parteien, SPÖ und ÖVP, 1934 noch Gegner in einem Bürgerkrieg gewesen waren, wurde durch gemeinsame Positionen wie Antinationalsozialismus und später Antikommunismus gekittet, aber nicht aufgearbeitet. In der ersten Nachkriegszeit, in der Personen, die als eben noch nationalsozialistische Parteimitglieder registriert waren, in Österreich von den allgemeinen Wahlen ausgeschlossen waren,8 zeigten sich sowohl Ver- treter der SPÖ, als auch – wie Fritz Molden berichtet – der ÖVP bereit, zumin- dest im Rahmen des Wahlkampfs einen Austausch von NS-Funktionären gegen österreichische Kriegsgefangene in der Sowjetunion vorzuschlagen: Die ÖVP ging hier so weit, daß der damalige Bundeskanzler Figl in einer Rede vor den Wahlen 1945 erklärte, es würde den belasteten österreichischen Nazis nicht schaden, wenn sie ein paar Jahre nach Sibirien kämen, man sollte sie gegen die noch in Rußland festgehaltenen österreichischen Kriegsgefangenen austauschen.9 3 Dieter Stiefel: Entnazifizierung in Österreich. Wien, München, Zürich: Europa 1981, S. 21. 4 Vgl. ebd., S. 21–47. 5 In Deutschland war die Lage etwas anders. Vgl. zu rechtlichen Hintergründen der Entnazifi- zierung in Deutschland und der Instrumentalisierung dieses Diskurses im Kalten Krieg Annet- te Weinke: Die Verfolgung von NS-Tätern im geteilten Deutschland. Vergangenheitsbewälti- gung 1949–1969 oder deutsch-deutsche Beziehungsgeschichte im Kalten Krieg. Paderborn [u.a.]: Schöningh 2002. 6 Stiefel: Entnazifizierung, S. 33. 7 Ebd., S. 48. Dem stand gegenüber, dass alle Parteien an einer möglichst großen Anhängerschaft interessiert waren und sich deshalb bis zu einem gewissen Grad auch mit ehemaligen Natio- nalsozialisten arrangierten. 8 Vgl. Sonja Niederacher: Die Entwicklung der Entnazifizierungsgesetzgebung. In: Maria Mes- ner (Hg.): Entnazifizierung zwischen politischem Anspruch, Parteienkonkurrenz und Kaltem Krieg. Das Beispiel der SPÖ. Wien, München: Oldenbourg 2005, S.  13–36, hier S.  32. 9 Fritz Molden: Besetzer, Toren, Biedermänner. Ein Bericht aus Österreich. Wien [u.a.]: Molden 1980, S.  107. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 254 7 Das Gespenst des Nationalsozialismus im Kalten Krieg
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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