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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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leicht noch etwas sozialistisch-realistischer zu bearbeiten“37, nimmt er sich vor. Die Verwendung des Neologismus „Marschfried“ plant die Figur Becher durch einen offenen Brief mit einer absurden Argumentation zu untermauern: „Erscheint es nicht auch Ihnen, lieber Genosse, daß unser Marschieren etwas anderes ist als das der anderen, mit ihren McCarthys? Sie marschcarthen uner- bittlich von Stufe zu Stufe – uns aber laßt marschfrieden!“ Das „Marschier’n“ des Horst-Wessel-Liedes ist zum „marschcarthen“ und „marschfrieden“ gewor- den, befindet sich also in einem Verhältnis von Differenz und Wiederholung zu beiden Seiten des Kalten Krieges, das durch die Wiederholung des Lexems ‚Marsch‘ symbolisiert und sichtbar gemacht wird. Hitlers Wunderwaffe und die Atombombe Eine andere Parallele zieht Ulrich Becher in mehreren seiner Texte, nämlich zwischen dem Aufrüsten Hitler-Deutschlands vor dem Zweiten Weltkrieg und der Aufrüstung im Kalten Krieg. Auf den Punkt gebracht wird dies in seinem Roman kurz nach 4 (1957)38: Die jahrelange Bedrohung der Erdenvölker mit totalem Krieg ist auferstan- den, kaum daß sie gebannt wurde, in einer depersonalisierten Resurrektion, die die Bedrohung ins Planetare steigert. La guele d’Hitler spukt im ersten Atombombenpilz der Geschichte. (KV 71; kursiv im Orig.) Die Gefahr eines Atomkriegs wird als Fortsetzung der faschistischen Pläne vom „totalen Krieg“ wahrgenommen. Aber schon 1946 äußert Becher denselben Gedan- ken in Bezug auf die Frage nach dem Weiterleben Hitlers nach Kriegsende: Und der Hitler? Wozu das Rätselraten! Es liest doch jedes Kind aus der Miene sei- ner Eltern, wo er steckt. Dass er sich – zumindest als Vorstellung der willkürlichen Bedrohung, der allgemeinen Lebensunsicherheit, des Massenmord-Anspruchs – in der kosmischen Bombe re-inkarniert hat.39 Diesen Gedanken, dass der Massentod durch den Krieg des Dritten Reiches und der Massentod durch die Atomwaffe in Analogie zueinander stehen, verarbeitet Ulrich Becher auch in einer 1949 in der DDR und 1950 in Österreich publizier- 37 Ebd. 38 Ulrich Becher: kurz nach 4. Hamburg: Rowohlt 1957, S. 71 [im Folgenden abgek. KV]. 39 Ulrich Becher: Ein Nachwort zum Nürnberger Prozess. In: Das andere Deutschland 8 (1946) H.  132, S.  8  f., hier S.  9. 265Intertextuelle und historische Parallelen
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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