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Parylas Teilnahme an den Salzburger Festspielen und verwies dabei auch auf
Parylas Pamphlet, kritisierte aber stärker die Beschuldigung, Figl sei trinkfreu-
dig, anstatt etwa am „braunen [...] Kleide“ Anstoß zu nehmen55. Am 2. August
1952 erscheint eine polemische Antwort Parylas im Tagebuch; in dem er seine
Absetzung und die Pressestimmen dazu kommentiert. Wieder wird das gegne-
rische Lager als faschistisch gebrandmarkt:
Es wünscht sich eine der Lemuren,
die noch faschistische Erfahrung
hat in der Feder Spuren
(‚Die Presse‘ liebt die Nahrung):
‚Einlader‘ und der ‚Eingeladen‘,
die sollt man einsperr’n, um wie Hasen
sie, ausgeladen, einzuladen
in Güterzüge, zum Vergasen!56
In die Paryla-Debatte mischte sich schließlich auch der sowjetische Hochkom-
missar Generalleutnant W.
P. Swiridow mit einer Erklärung ein, angesichts derer
sich die österreichische Bundesregierung zu einer offiziellen Feststellung gezwun-
gen fühlte, welche die Vorwürfe Swiridows zurückwies und Parylas Absetzung
folgendermaßen erklärte:
Der Grund [...] ist darin zu sehen, daß Paryla in der Zeitschrift ‚Das Tagebuch‘
einen Artikel veröffentlicht hat, der die Bundesregierung und die Festspielstadt
Salzburg schwerstens beleidigt und geeignet ist, die österreichische Währung zu
unterminieren.57
Diese Beispiele zeigen die Bedeutung der Salzburger Festspiele im Literatur- und
Kulturbetrieb des Kalten Krieges und sie zeigen auch, wie leichtfertig kommu-
55 Vgl. Friedrich Torberg: Post Scriptum. Ein P.
S. zu einem K.-P.-Engagement. In: Wiener Kurier.
Für die Wiener Bevölkerung, 23.5.1952, S. 2. Vgl. Griesmayer: Die Zeitschrift ‚Tagebuch‘,
S. 81. Die Mitwirkung von kommunistischen Schauspielern bei den prestigeträchtigen Salz-
burger Festspielen wurde immer wieder abgeschmettert. Otto Tausig berichtet, dass er 1960
von Leopold Lindtberg der Festspielleitung als Lumpazivagabundus vorgeschlagen wurde, wor-
auf der Generalsekretär Tassilo Nekola gesagt haben soll: „Der Kommunist kommt mir da nicht
herein!“ Tausig: Kasperl, Kummerl, Jud, S.
150. Paryla spielte erst 1972 wieder in Salzburg. Vgl.
Paryla: Keine Helden, S. 152.
56 Karl Paryla: Der abgesetzte ‚Teufel‘ antwortet. In: Tagebuch 7 (1952) H. 15, 2.8.1952, S. 1.
57 N.N.: Feststellung der österreichischen Bundesregierung. Antwort auf die Erklärung des sowje-
tischen Hochkommissars Generalleutnant W.
P. Swiridow im Alliierten Rat vom 29.8.1952. Anschul-
digungen Punkt für Punkt widerlegt. In: Wiener Zeitung, 13.9.1952, S. 1–4, hier S. 4. In dem
Artikel wird etwa auch auf den Fall Brandweiner und den Streik vom Oktober 1950 eingegangen.
271Intertextuelle
und historische Parallelen
Diskurse des Kalten Krieges
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Title
- Diskurse des Kalten Krieges
- Subtitle
- Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2017
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20380-3
- Size
- 15.9 x 24.0 cm
- Pages
- 742
- Categories
- Geschichte Nach 1918