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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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sche Situation der Handlung zeigt eine nomadisierende Menschengruppe, die auf wenige Ressourcen beschränkt ist und einen Großteil ihrer kulturellen Errun- genschaften verloren hat. Wissen über die Zeit vor der Katastrophe existiert nur noch rudimentär. Gegenstände aus der Zeit vor der Katastrophe ebenso wie sprachliche Relikte haben nun Rätselcharakter. Aus nicht näher erklärten Grün- den taucht allerdings der Physiker Albert in der postapokalyptischen Welt auf, der volles Bewusstsein über die weltpolitische Situation im Atomzeitalter besitzt. Die Nomaden verlangen umfassende Erklärungen von ihm und während er sei- ne Geschichte erzählt, erkennt er die Gefahr der teuflischen Verführung für den Wissenschaftler, die als faustische Problematik dargestellt wird und findet zu einem moralischen Verhalten im Sinne der christlichen Ethik zurück. Alberts Arbeit an Raketentriebwerken, die der Beförderung von Atomwaffen dienten, hatte die weitgehende Zerstörung der Zivilisation mitermöglicht. Zu dieser Arbeit wurde er allerdings von einer halb realistisch gezeichneten, halb als imaginär ausgewiesenen Figur namens „Herr Co“ verleitet. Die Nomaden stellen die Frage, warum dieser Mensch solche Macht über Albert entfalten konn- te und vermuten gemäß ihrem primitiven Wissensstand magische Praktiken: „Hat er dich behext? Habt ihr euer Blut vermischt?“ (EIS 48) Albert antwortet: „Ich hatte einen Vertrag mit ihm.“ (ebd). In einem darauf folgenden Dialog wirft Albert Herrn Co vor: „Ah, Sie geben endlich zu, der Teufel zu sein?“, worauf dieser ausweichend antwortet: „Nicht so direkt! – Ich bin am Menschen inter- essiert, das ist alles!“ (ebd). Er wiederholt damit sinngemäß eine Äußerung Mephistopheles’ aus Goethes Faust, der sein Interesse am Menschen mit dem der Katze an der Maus vergleicht. Wie Mephistopheles im „Prolog im Himmel“ die Schöpfung kritisiert, so kritisiert auch Herr Co: „Die natürliche Welt: Eine Fehlkonstruktion! Wir verbessern die Schöpfung!“ (EIS 49) Er stachelt zudem Albert auf: „Zu durchschauen! Um endlich den letzten Schleier wegzureißen, um endlich das Unsagbare auszusprechen.“ (ebd)95 Nicht nur Friedrich Kühnelt, der immer wieder eine religiöse Ethik als Lösungsansatz in seinen Texten präsentiert, auch Friedrich Heer stellt die Anma- ßung der göttlichen Macht durch die Menschen als eines der Grundprobleme der Moderne dar, die zugleich als der „achte Tag der Schöpfung“96 bezeichnet wird, an dem der Mensch an Gottes Stelle tritt: 95 Auch die Metapher der Verschleierung für die Geheimnisse der Natur stammen aus Goethes Faust: „Geheimnisvoll am lichten Tag / Läßt sich Natur des Schleiers nicht berauben“ (Goethe: Faust, S.  43). 96 Vgl. den Titel seines Romans Der achte Tag, sowie Josef P. Mautner: „Der achte Tag.“ Versuch einer prophetischen Antiutopie. In: Richard Faber (Hg.): Offener Humanismus zwischen den Fronten des Kalten Krieges. Über den Universalhistoriker, politischen Publizisten und religi- ösen Essayisten Friedrich Heer. Mit persönlichen Erinnerungen von Carl Amery und Reinhold Knoll. Würzburg: Königshausen & Neumann 2005, S.  51–74, hier S.  70  f. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 324 8 Die atomare Bedrohung in der österreichischen Literatur
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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