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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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an ohne Rückgriff auf biblische Zitate oder die griechische Mythologie auskom- men zu können“.101 Diese Darstellungsstrategie, welche die neue Technologie in den Bereich des Erhabenen, Göttlichen, Dämonischen und Mythischen rückt, wird in der deutschsprachigen Literatur häufig eingesetzt, um vor dem Miss- brauch der übernatürlich anmutenden Macht durch die neue Technologie zu warnen und die Faszination an der Kernspaltung zu problematisieren, die von den Großmächten des Kalten Krieges geschürt wurde: Die Zuflucht zu mythischen Bildern und Begriffen, mit denen Wissenschaftler, Politiker und Publizisten die gewaltige technische Revolution der Kernspaltung begreiflich zu machen suchten, verführte erst recht dazu, sich unter der Verhei- ßung der Atomenergie weit mehr vorzustellen als nur einen billigeren und unbe- grenzten Ersatz für Kohle und Öl.102 Die Verwendung mythischer, religiöser und klassischer literarischer Bilder kann außerdem darauf zurückgeführt werden, dass das neuartige Phänomen sich noch bis zu einem gewissen Grad der Darstellung und dem Verständnis entzog. So wurde die Einschätzung der Gefährlichkeit der Atomspaltung durch wider- sprüchliche propagandistische Darstellungen erschwert. Man hatte etwa durch John Herseys Hiroshima (1946, dt. 1947) trotz der scharfen amerikanischen Pres- sezensur von verheerenden Auswirkungen der Atomwaffe wie der Strahlen- krankheit und Fehlgeburten gehört. Zugleich wurde in den Printmedien die Heilwirkung der radioaktiven Strahlen besprochen und in Japan wurde zunächst ein Rückgang der durch die Bombe entstandenen Schäden gemeldet.103 Konrad Adenauer drückt noch 1957 große Unsicherheit in der Einschätzung des Gefah- renpotentials von Kernwaffen aus: Es gibt Amerikaner, die sagen, es ist alles Quatsch und dummes Zeug, was ge- schrieben wird. Andere sagen wieder, wenn man hundert Meter hochsteige, werde 101 Stölken-Fitschen: Bombe und Kultur, S. 261. Der Ton von Laurence’ Dämmerung über Punkt Null (1948) nimmt sich in der Tat pathetisch aus: „Genau in diesem Augenblick brach wie aus dem Innersten der Erde ein Licht auf, das nicht von dieser Welt war, das Licht vieler Sonnen in einem einzigen Strahl. Es war ein Sonnenaufgang, wie die Welt ihn nie zuvor gesehen hatte, eine große grüne an Kraft alles überstrahlende Sonne [...] eine Elementarkraft, die, nachdem sie Billionen von Jahren gebändigt war, sich von ihren Fesseln befreite. Einen rasch vergehen- den Augenblick lang war sie von unirdischem Grün, wie man es nur in der Sonnencorona wäh- rend einer totalen Sonnenfinsternis beobachten kann. Es war, als wäre die Erde aufgebrochen und der Himmel zerspalten. Man fühlte sich als Zeuge des Schöpfungsaugenblicks, als Gott sprach: ‚Es werde Licht.‘“ Laurence: Dämmerung über Punkt Null, S.  19  f. 102 Stölken-Fitschen: Der verspätete Schock, S. 151  f. 103 Vgl. ebd., S. 141  f. Atomfaszination und Atomangst 327
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Title
Diskurse des Kalten Krieges
Subtitle
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2017
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Size
15.9 x 24.0 cm
Pages
742
Categories
Geschichte Nach 1918
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